20 Jahre Tierfriedhof: Hunderte Vierbeiner unter Borsteler Erde / Trauergelände hat seine Grenzen

Ein Sittich ruht neben Hund und Katz

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Brandon Schreiber fährt für sein Praktikum jeden Tag mit dem Fahrrad aus Stendal-Stadtsee nach Borstel. Der Einsatz auf dem Friedhof gehört zu seinen Aufgaben. Der Neuntklässler möchte später einmal einen Beruf erlernen, in dem er mit Tieren zu tun hat.

Borstel. „Friedhof der Kuscheltiere?“ Brandon Schreiber grinst. Der 17-Jährige will weder von Stephen Kings Roman noch von der Verfilmung gehört haben. Geschickt bewegt der Stendaler die Harke zwischen den Gräbern. Düstere Gedanken kenne er nicht.

Der Komarow-Sekundarschüler ist Feuer und Flamme für sein 14-tägiges Praktikum im Borsteler Tierheim. „Ich weiß, wie sehr Vierbeiner einem ans Herz wachsen können. “ Die zwei Pudel sowie Kaninchen und Meerschweinchen daheim mögen noch ein langes Leben haben. „Dieser Friedhof ist wichtig, damit die Leute sich noch an ihre Lieblinge erinnern können“, ist der junge Mann überzeugt und blickt über das etwa 1000 Quadratmeter große Gelände, auf dem in den vergangenen zwei Jahrzehnten einige Hundert Tiere bestattet worden sind.

150 Grabstätten können vergeben werden, einige wenige sind aktuell frei. Für eine Liegezeit von drei Jahren sind 165 Euro zu zahlen. Es kann auch verlängert werden. „Die Nachfrage ist durchaus beachtlich, der Platz aber nun einmal begrenzt. 1993/94 hat alles begonnen“, weiß Carola Marmodée, stellvertretende Leiterin des Tierheimes. So ohne Weiteres könnte der Friedhof nicht vergrößert werden, da die Umgebung Grenzen setzt. Das Tierheim selbst bestattet dort verstärkt auch seine eigenen Tiere. Gina beispielsweise, ein American Staffordshire Terrier, der an die zehn Jahre in der Einrichtung zubrachte und den Mitarbeitern besonders an Herz gewachsen war. „Wer sieht sein Liebling schon gern in der Tierkörperbeseitigungsanlage?“

In diesem Jahr wurden bislang sieben Hunde begraben. Unter der Borsteler Erde befinden sich auch etliche Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen und sogar ein Wellensittich. Die Vogelfreundin ist eine ältere Dame. „Sie kommt regelmäßig und kümmert sich um das Grab. Dass sie ihren Pitti vermisst, spürt man.“ Überhaupt hätten viele dieser Menschen eine ganz besondere Beziehung zu ihren Lieblingen gehabt. „Ein Tier kann unter Umständen ständiger Begleiter sein, ja sogar Lebensmittelpunkt. Es freut sich mit einem und spendet Trost, wenn es einmal nicht so gut läuft.“ Marmodée ist froh darüber, dass es Tierfriedhöfe wie den in Borstel oder den auf Barsberge bei Seehausen gibt. Zumal nicht jeder Ostaltmärker, der sein Tier auch nach dessen Tod möglichst nah bei sich behalten möchte, die Möglichkeit hat, dieses im heimischen Garten zu begraben. Übrigens sind dafür einige Vorschriften zu beachten. So muss das tote Tier mindestens gut einen Meter tief in der Erde liegen.

Von Marco Hertzfeld

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