Ehestreit mündet in polizeilichem Ermittlungsverfahren / Bernd Z. will seine Tiere zurück

Sieben Zucht-Ponys online verhökert

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Die prämierten Shetland-Pony-Zuchtstuten wurden bei einem Online-Händler zum Verkauf angeboten – für 450 Euro das Stück. Der Wert soll aber bei insgesamt 18 800 Euro liegen.

Stendal. Nachdem Bernd Z. (Name geändert) im Januar mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert worden war, traf ihn wenig später fast erneut der Schlag: Ein Freund hatte ihn auf eine Annonce im Internet aufmerksam gemacht.

In der Anzeige wurden seine sieben prämierten Shetland-Pony-Zuchtstuten zum Verkauf angeboten. Zu diesem Zeitpunkt war Z. bereits zur Reha in Flechtingen. Umgehend wandte er sich an die Polizei und erstattete Anzeige gegen seine Ehefrau, was die Polizei auf AZ-Nachfrage bestätigt.

Z. vermutet, dass seine Frau und deren Tochter den Verkauf gemeinsam über einen Online-Anbieter in die Wege geleitet haben. Am 9. Februar habe sie ihre Sachen gepackt und sei „nach Berlin abgehauen“, sagt Z. „Ich kam von der Reha nach Hause und es war nichts mehr da“, so der Stendaler weiter. Sechs Shetland-Ponys hätten auf der Koppel und eines bei ihm zu Hause im Stall gestanden. „Meine Frau hat die Ponys ohne mein Wissen und gegen meinen Willen einfach für 450 Euro pro Pony verkauft“, betont Z., dem das Sprechen nach dem Schlaganfall noch schwer fällt.

Laut Marco Neiß von der Polizei Stendal hätte sie dafür jedoch eine Generalvollmacht benötigt. „Auch noch andere Dinge wie zum Beispiel mein Fahrrad sind weg, Schuhe, Sachen und Unterlagen wurden verbrannt“, erzählt Z. schockiert weiter.

Freunde von Z. sagten gegenüber der AZ, dass der Mann ohne seine Pferde nicht leben könne. Die staatsprämierten Kleinpferde sind laut Z. insgesamt 18 800 Euro wert. Der in Stendal lebende Mann hat als Besitzer der Ponys beim Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt, bei dem die Pferde registriert sind, eine Sperre erwirkt, damit die Besitz-Urkunden nicht umgeschrieben werden können. Er habe immer wieder versucht, seine Frau zu erreichen, doch die Kontaktaufnahme sei gescheitert.

Gegenüber der AZ sagte die Frau: „Nach 16 Jahren Ehe gehört mir doch auch etwas.“ Außerdem habe sie ihren Mann, der bereits den dritten Schlaganfall hatte, während seines Reha-Aufenthalts gefragt, ob sie die Pferde verkaufen dürfe, nach ihren Angaben sogar unter Zeugen. „Wir werden das vor Gericht austragen“, sagt die Ehefrau.

Z. hingegen habe Angst um seine Ponys und wolle sie so schnell wie möglich zurück, bekennt er traurig.

Laut Polizei wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. An deren Ende entscheide die Staatsanwaltschaft, ob Anklage erhoben wird oder nicht.

Von Maren Maatz und Ronny Kauerhof

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