Wo sich Besucher besinnen

Das aktuelle Besucherbotschaftsbuch des Doms wird seit August 2008 geführt. Es hat viele Vorgänger.

Stendal - Von Antje Mahrhold. „Hallelujah, Hallelujah!“, lautet der kurz-prägnante Eintrag eines Besucher-Paars aus Augsburg im aktuellen Gästebuch des Stendaler Domes – eine Seiten-Stippvisite.

„Staunend stehen wir hier in diesem wunderschönen Gotteshaus“, hinterlässt der Familienkreis St. Joseph aus Düsseldorf-Holthausen in akkurater Schrift euphorisch geprägte Eindrücke. Ein bisschen zittriger kommen da schon ein paar Seiten weiter ziemlich lässig hingekritzelte Grußbotschaftslettern der Pilgergruppe „Holle/Hildesheim“ daher. Lobeshymne für Lobeshymne findet sich Blatt für Blatt in dem rotledrig eingebundenen Gästebuch, das die Ansichten der Besucher des Stendaler Domes seit August 2008 bewahrt. Und gleich hinterm Haupteingang auf einem Pult samt wunderbar funktionierendem Kugelschreiber einladend bereitliegt.

Ein Schwäbischer Albverein gibt sich darin genauso zu erkennen, wie Gäste aus Wien, Berlin, Hamburg, Nelspruit in Südafrika oder Vanløse in Dänemark. „Hier wurde ich vor 56 Jahren getauft“, lässt Barbara Laszlotky, geborene Ulbrich, in diesem Sommer die Gästebuch-Leserschaft wissen. Der Grund ihres Besuchs deckt sich mit dem vieler anderer Botschaftsverfasser. Allerdings hatten die meisten von ihnen eben keine so weite Anreise wie Laszlotky. Die Ex-Altmärkerin verschlug es inzwischen nach Budapest. Ein paar Wochen und Gästebuchseiten später lobt Kay Raabe aus Hamm/Westfalen: „Ein wunderbarer Ort der Ruhe und Besinnung.“ Sein Eintrag ist auf den 23. September datiert.

Auch die Jugend begeistert sich für Stendals Vorzeige-Kirchenbau, die dreischiffige Hallenkirche mit Querhaus und Langchor anno 1425. „Ich finde die bunten Fenster sehr schön“, buchstabt eine achtjährige Luise in das Verzeichnis schreibender Gäste. Das Mädchen hat seinen Eintrag mit ihrer Herkunftsstadt Lemgo unterzeichnet, womit sich ein Stück besonders intensiv gelebte Städtepartnerschaft offenbaren dürfte.

„Wir sind auf der Durchreise und suchen ehemalige Bausoldaten“ nutzen Forschende Stendals Dom-Gästebuch als Recherche-Plattform. Dass die spätgotische Backsteinkirche am Rande der Stendaler Altstadt den Titel Dom gar nicht verdient, weil sie niemals Bischofssitz war, spielt in den Positiv-Bekundungen der Besucher gar keine Rolle.

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