Sexy, satirisch, supergut

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Der Sexytanz des Showballetts hatte seinen Namen voll und ganz verdient. Er war außerdem eine Hommage an Michael Jackson und seine unvergesslichen Choreographien.

Stendal - Von Thomas Pusch. „Ob Song Contest, ob Fußball Cup, beim WCC ihr alles habt“, lautet das Motto der Wahrburger Karnevalisten. Gesungen wurde bei der ersten Prunksitzung im ausverkauften Festsaal des Schwarzen Adlers natürlich und ein Zuschauer hatte auch eine Vuvuzela mitgebracht, deren Klang an die Fußball-Weltmeisterschaft des vergangenen Sommers erinnerte. Und ansonsten gab es für das Publikum in der Tat nichts zu vermissen. Stets gelingt es dem WCC eine Mischung aus Klassikern und Neuheiten auf die Bühne zu bringen, die während des mehrstündigen Programms keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt.

Zu den Klassikern gehört Ulrich Metzler als Ansager, der kräftig mit der Welt- und Lokalpolitik abrechne. Kriege gebe es heute wie damals, nur die Farbbrillianz der Übertragungen habe sich geändert. Da sei ihm doch das friedliche Stendal lieber, selbst in Schwarz-Weiß. Obwohl es auch dort Kritikwürdiges gebe. Was passiert eigentlich im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzungen? „Erotische Partys hinter verschlossenen Türen wie bei der katholischen Kirche“, fragte Metzler.

Er sinnierte über die zahlreichen Neueröffnungen von Supermärkten in der Stadt und überlegte, ob die „Straße der Kaufhallen“ vielleicht eine Touristenattraktion sein könnte. Mittlerweile sei er auch für den Bau der A 14, denn seine Freunde, die die noch geblieben sind, hätten gesagt: „Uli, du kannst nicht immer gegen alles sein.“ So ein Satz habe ihn auch dazu gebracht, am 7. Oktober 1989 in die SED eintreten zu wollen, „und dann ging alles den Bach runter.“

Kein bisschen zimperlicher gingen die beiden Originale Grete (Ute Engel) und Anton (Gerold Müller) mit der politischen Landschaft um. Enkeltochter Henriette müsse mit dem Bus von Wahrburg nach Stendal fahren. Früher habe das 20 Minuten gedauert, heute anderthalb Stunden. „Das liegt nicht an den Bussen, sondern am Landkreis, der am falschen Ende gespart hat“, brachten die beiden den Saal zum Toben. „Wenn der Erfinder dieses Bussystems an der Schöpfung beteiligt gewesen wäre“, setzte Anton noch eins drauf, „dann wären wir heute noch beim Einzeller.“ Sie plauderten über die chinesischen Fachhochschüler, „18-Zoll-Studenten, wegen des Raddurchmessers“, regten sich über die neue Verkehrsführung rund um den Winckelmannplatz auf, „unter aller Sau“ und gaben Tangermünde einen neuen Namen: „Kleines gallisches Dorf am Rand der Hansestadt Stendal.“

Die pure Unterhaltung kam natürlich auch nicht zu kurz. Dafür sorgten beispielsweise die Tanzmäuse als Schlümpfe, das Junior-Tanzmariechen Sophie Johr und natürlich das Showballett. Mit seinem ersten Auftritt bot es eine Hommage an Michael Jackson. Doch zumindest die männlichen Zuschauer werden bei dem sexy Finale der Damen wohl kaum an den Sänger gedacht haben. Alle Zugabe-Rufe halfen jedoch nichts, Geduld war bis kurz vor Schluss gefragt, als das Showballett unter dem Motto „Eurovision“ nochmals auftrat.

Wer diesen Abend verpasst haben sollte, hat noch eine Chance am kommenden Sonnabend. Für die zweite Prunksitzung des WCC gibt es noch Karten.

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