Fachgruppe setzt Großvoliere nach oben

Waldrapp fliegt Tiergarten Stendal an

Ein Waldrapp fliegt am Bodensee eine Brutwand an.
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Ein Waldrapp landet auf einer Brutwand am Bodensee. Über Projekte soll der Vogel wieder breiter angesiedelt werden. Inwieweit Stendal wichtig wird, ist noch unbekannt.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Ein Lichtbringer und Glücksbote zieht in den Stendaler Tiergarten ein. Der Waldrapp, ein gänsegroßer Ibis, soll eine umgebaute Großvoliere beziehen.

Stendal – Die Großflugvoliere im Eingangsbereich des Stendaler Tiergartens wird umgestaltet. Die Erdmännchen bekommen eine neue Anlage und das Domizil der Affen soll erweitert werden. Verändern wird sich auch das Streichelgehege, in dem vornehmlich Zwergziegen untergebracht sind, Arbeiter gestalten die Außenanlage um und bauen ein neues Stallgebäude. Erstellt hat diese Prioritätenliste die Arbeitsgruppe aus Zooleitung, Förderverein und Kommunalpolitikern. Das Papier soll dem Stadtrat bei der ersten Sitzung nach der Sommerpause am 11. Oktober zum Beschluss vorgelegt werden. Darüber informiert Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ. Ist das Finanzielle geklärt, soll es 2022, im Jubiläumsjahr der Einrichtung, mit dem ersten Projekt losgehen. Wie hoch die Kosten ausfallen könnten und wer womöglich noch an der Finanzierung beteiligt ist, darauf geht der Rathaussprecher noch nicht weiter ein.

Die Großvoliere nahe dem Zooeingang soll in beachtlichem Maße umgebaut werden. Besucher können dem Neuzugang Waldrapp dann über eine Schleuse nahekommen.

Gehege von Erdmännchen und Affe auch auf Liste

Die markante Voliere soll erhalten und umgebaut werden. „Gleichzeitig wollen wir sie attraktiver für alle Vogelfreunde machen und die interessante Vogelart Waldrapp dort besetzen“, verrät Fischbach schon einmal. Der Waldrapp ist ein etwa gänsegroßer Ibis. Er galt den alten Ägyptern als Lichtbringer und im Islam wird der Vogel als Glücksbringer angesehen. In Europa kam er ganz offensichtlich als Delikatesse auf den Tisch. Auch so nahm die Verfolgung zu, die Population in vielen Landstrichen ab. Die Art starb laut Fachliteratur im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa aus, heute laufen verschiedene Wiederansiedlungsversuche für den gesamten Kontinent. Die Stendaler Voliere soll durch eine Besucherschleuse begehbar gemacht werden. Die Waldrapps erhalten einen Rückzugsbereich mit Innenboxen und dazu einen kleinen Folienteich. Ist der Haushalt der Hansestadt für 2022 unter Dach und Fach, kann das Vorhaben umgesetzt werden. Der Stendaler Tiergarten, direkt am Stadtsee gelegen, wird 70 Jahre alt.

Noch in alter Anlage: Ein Erdmännchentrio lehnt an der Scheibe und lässt sich die Sonne auf den Pelz brennen.

Streichelgehege ebenfalls im Blick

Momentan sind in der großen Voliere versehrte Vögel, nicht zuletzt Raubvögel aus der freien Natur, untergebracht. Für die Patienten und Dauerinvaliden muss ein Ersatzgehege her. Auch das hat die Arbeitsgruppe auf dem Zettel. Die Mitglieder dürften sich auf dem richtigen Weg sehen. Nach einigem Hin und Her liegt seit dem Frühjahr das Stendaler Tiergartenkonzept für den Zeitraum bis 2025 vor, nicht zuletzt die besagte Gruppe soll alles inhaltlich ausgestalten und konkretisieren helfen. Errichtung eines Schmetterlingshauses, Zusammenfassung von Stachelschwein- und Gebirgslori-Anlage sowie der Neubau einer begehbaren Katta-Anlage werden derzeit nicht weiterverfolgt. Ganz gestorben sind diese Projekte damit nicht. Der Stadtsprecher: „Langfristig nach 2025 könnten diese Ideen aber durchaus erneut verhandelt werden.“

Zwergziegen-Nachwuchs im Gefecht. Das Streichelgehege wird sich ebenfalls verändern. Unter anderem steht ein neuer Stall auf dem Bauzettel.

Stendal feiert nächstes Jahr 1000 Jahre Stadtgeschichte und richtet Anfang Juli den Sachsen-Anhalt-Tag aus. Wie genau sich das Zoojubiläum inhaltlich und zeitlich einordnen lässt, wird sich zeigen. Für Letztgenanntes laufen die Planungen erst so richtig an.

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