Patientin erhängte sich in ihrem Zimmer in Uchtspringe / Landgericht klärt Verantwortung der Klinik

Selbstmord: Ist der Arzt mitschuldig?

Hätte der behandelnde Arzt den Selbstmord einer Patientin verhindern können? Wie weit die Verantwortung der Klinik in Uchtspringe (Bild) reicht, klärt nun das Landgericht in Stendal.
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Hätte der behandelnde Arzt den Selbstmord einer Patientin verhindern können? Wie weit die Verantwortung der Klinik in Uchtspringe (Bild) reicht, klärt nun das Landgericht in Stendal.

Stendal / Uchtspringe. „Sie war schwerst körperlich behindert. Ihre Lebensqualität war sehr bescheiden. “ Mit dieser knappen Bilanz beschreibt der Angeklagte W. die letzten Lebensjahre einer ehemaligen, depressiven Patientin, die sich am Morgen des 7. September 2011 in ihrem Krankenzimmer erhängte.

Weil der Arzt ihren Freitod durch eine zu geringe Dosierung der Medikamente indirekt unterstützt haben soll, muss sich der behandelnde Mediziner seit gestern vor dem Landgericht verantworten.

W. erklärte, die geringere Medikamentendosis hätte für den eintägigen Aufenthalt der Patientin keinen Unterschied gemacht. Marianne G. hatte sich mit dem Frottee-Band ihres Bademantels stranguliert. „Wir nehmen unseren Patienten keine Gürtel oder Schnürsenkel weg. Es sind keine Straftäter, sondern Menschen mit Würde“, so der Mediziner.

Der 50-jährige Angeklagte und die damalige Patientin kannten sich seit 2008. In einer schwer depressiven Phase hatte er sie mit angstlösenden Mitteln behandelt, die nächsten Jahre verbrachte G. in einem Seniorenwohnpark in Schollene. Die Schwester der Verstorbenen, die als Zeugin geladen war, übernahm ab 2008 die Betreuung für die Minderbegabte. Von dem Selbstmord zeigte sie sich überrascht, noch am Wochenende zuvor sei „alles wie immer“ gewesen. G. habe immer versucht, alles alleine zu erledigen, dies sei ihr aber gegen Ende aufgrund des schlechter werdenden Gesundheitszustandes nicht mehr gelungen.

Am Morgen des 6. September 2011 wurde die zu jener Zeit 60-Jährige wegen akuter Selbstmordgefahr erneut in die Uchtspringer Klinik gebracht. „Hoch gefährdete Patienten“ werden laut W. in ein dafür vorgesehenes Patientenzimmer gebracht, dieses war jedoch belegt. So übernachtete G. in einem Bett auf dem Korridor, da dieser von den Schwestern besser einsehbar gewesen sei. Am nächsten Morgen kam sie schließlich auf ein Zweibettzimmer, wo sie von der Krankenschwester T. tot, noch auf der Fensterbank sitzend, vorgefunden wurde. Laut ihrer gestrigen Aussage habe T. im Vorfeld keine depressive Stimmung bei G. feststellen können.

W. zeigte sich in seiner Vernehmung souverän. Ob die Berufung der Staatsanwaltschaft erfolgreich ist, müssen weitere Gerichtstermine zeigen.

Von Mike Höpfner

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