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Seite an Seite mit Neonazis

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Mehrere Dutzend Polizisten begleiteten die Demonstration in Insel. Rund 40 Rechtsextreme aus der Altmark und Nachbarkreisen reisten in den Stendaler Ortsteil, um die Versammlung für ihre Zwecke zu nutzen. © Nowak

on Insel. Bereits vor dem Demonstrationsbeginn am Sonnabend in Insel sorgte der Regen nicht gerade für eine Abkühlung der Gemüter. „Wir laufen einfach 50 Mal an dem Haus hoch und runter“, forderte ein Inseler seine Mitstreiter auf.

Entgegen der Auflage des Landkreises, die Demonstration gegen den Verbleib der ehemaligen Sexualstraftäter nicht im unmittelbaren Wahrnehmungsbereich der Betroffenen stattfinden zu lassen. Und ganz zu Anfang der Demonstration schienen die Protestler der Aufforderung auch nachzukommen, bevor sie von einer Polizeikette von ihrem vermeintlichen Vorhaben abgebracht wurden. Dass sich neben rund 40 Inseler Demonstranten mindestens ebenso viele Rechtsradikale aus der Altmark und Nachbarkreisen an der Protestveranstaltung beteiligten, störte die Einheimischen offensichtlich wenig. Im Gegenteil: Seite an Seite standen einheimische und ortsfremde rechte Plakatträger und propagierten ihr Anliegen.

Ebenso wie Versammlungsleiterin Ilona Berg und Rechtspopulist Heiko Krause, die gemeinsam gegen Justiz, Polizei und Presse schimpften. Krause gehörte dabei zu den wenigen schwarzgekleideten Rechten, die den Namen der Versammlungsleiterin kannten.

Beispielgebend für die Desinformation der Neonazis war einer der rechten Plakatträger, der auf Nachfrage der AZ, wer denn Versammlungsleiter wäre mit „Kein Kommentar“ und „Hau bloß ab, sonst...“ antwortete.

Doch nicht nur diese Aussage spiegelte die Provokationsfreude der Nationalen wieder. So trat der NPD-Kreistagsabgeordnete aus dem Saalekreis, Rolf Dietrich, an den Grünen Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel heran und fragte ihn lautstark, ob dieser eigentlich erzählen würde, dass er schwangeren Frauen in den Bauch treten würde. Beruhend auf einem Vorfall aus dem Jahr 2007, der von der Staatanwaltschaft als nicht zutreffend beurteilt wurde. Noch auf der Demo erstattete Striegel Anzeige wegen Verleumdung. Heiko Krause verteilte währenddessen rote Luftballons der NPD-Frauenbewegung an die Protestler und deren Kinder.

Neben den rund 80 Versammlungsteilnehmern waren auch zahlreiche Medienvertreter bei dieser ersten von bislang acht angekündigten Demonstrationen zugegen. Sowohl die Deutsche Welle als auch der Weserkurier Bremen berichteten vom Ort des Geschehens. Mehrere Dutzend Polizisten sicherten die Demonstration ab und verhinderten, dass die Protestler vor dem Haus der ehemals Sicherungsverwahrten Stellung bezogen.

Als die Polizei um 15 Uhr die Auflösung der Demonstration ankündigte, hallten den Beamten laute Buh-Rufe entgegen. Der Abzug der Protestler erfolgte dennoch ohne Reibereien. Lediglich die Rechten entfalteten ihr Protestplakat entgegen der Landkreis-Auflage noch einmal vor dem Haus der beiden Männer, als sie den Versammlungsort verließen.

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