Finanzspritze ungewiss

Sein Feuereifer stößt an Grenzen: Stendaler Museumsverein wünscht sich zusätzliche Halle

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In der Halle ist der Platz aufgebraucht.

Stendal – Sie stehen dicht an dicht unterm Dach. Dabei sind es noch nicht einmal alle, nur zwölf der insgesamt 34 Fahrzeuge haben im Feuerwehrmuseum Platz, der große Rest muss anderswo untergebracht werden.

Leiter Michael Schneider macht sich keine Illusionen, eine zusätzliche Halle oder auch nur ein richtig großer Carport kann sich der Verein Feuerwehrhistorik Stendal nicht leisten.

„Selbst über irgendein Förderprogramm nicht, den Eigenanteil könnten wir einfach nicht aufbringen. “ Immer wieder einmal hatte es Überlegungen gegeben, ohne Erfolg. Das Museum in der Kreisstadt existiert seit mehr als 25 Jahren.

Momentan brennt die Luft, die Feuerwehren im Land sind wegen des trockenen Sommers wieder einmal besonders gefordert. Das Ganze habe auch etwas Positives. Die Zeit sei gut, die Bürger für die Arbeit der Brandschützer zu sensibilisieren und den ein oder anderen zum Mitmachen zu bewegen. Nachwuchs fehle schließlich fast überall. „Wie wichtig die Feuerwehr den Leuten ist, merken wir auch bei Gesprächen im Museum“, sagt der 64-Jährige der AZ. Eine weitere große Herausforderung wird derzeit durch den Landkreis Stendal gebaut, die Autobahn 14. Die Zahl der Einsätze dürfte dann spürbar steigen.

Feuerwehrmuseen gibt es einige in Deutschland, Schneider hat 38 gezählt. Doch nur drei davon orientieren sich an alten Strukturen und gehen dafür über Ländergrenzen hinweg, Stendal gehört dazu. So interessiert sich der Feuerwehr-Historiker zum Beispiel auch für angrenzende Gebiete in Brandenburg. Bis zu 1800 Menschen jährlich besuchen das Gelände an der Arneburger Straße. Gern würde Schneider bei den Zahlen noch zulegen, doch die Arbeit müsste der Verein mit aktuell knapp 25 Mitgliedern ja auch erst einmal leisten können. „Feuerwehr ist auch Kulturgut und das gibt es nicht zum Nulltarif.“

Der Verein und seine Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Die Eintrittspreise seien seit Jahren unverändert. Wer in einer Kinder- oder Jugendfeuerwehr organisiert ist, kommt für einen Euro ins Museum. Ansonsten zahlen Kinder zwei Euro und Erwachsene drei Euro. Für Führungen gibt es laut Schneider noch einmal Sonderkonditionen. „60 Prozent der Arbeit macht die Ausstellung aus, der Rest sind Fundusarbeit, Forschung und Brandschutzerziehung.“ Es gebe einzelne Finanzspritzen, natürlich. „Doch schon allein die 5000 Euro im Jahr für laufende Betriebskosten wollen erst einmal erwirtschaftet sein.“

Die Feuerwehr-Enthusiasten haben Unterstützung. Derzeit sind es Franziska Bergmann und Henry Holland, die alles mit in Schuss halten und Fragen der Besucher beantworten. Beide Einsätze sind staatlich gefördert, ihrer über die Ländliche Erwachsenenbildung, seiner über ein EU-Projekt. Holland schraubt derzeit nicht zuletzt an einem Brandschutz-Motorrad aus DDR-Zeiten und richtet es für die Ausstellung her. Auch Bergmann ist überall auf dem Areal unterwegs und möchte auch nach Ablauf der Maßnahme dem Museum treu bleiben. „Wir sind ein gutes Team“, findet Schneider, der vor einem Jahr noch beim Kreisordnungsamt arbeitete.

Eines der neuesten Stücke: Den gut 100 Jahre alten Helm aus Magdeburg packt Michael Schneider in eine Vitrine.

Der Vorruheständler zeigt der AZ eines der neuesten Ausstellungsstücke, einen Helm, der so in Deutschland zwischen 1900 und 1934 getragen wurde. Die Berufsfeuerwehr Magdeburg hat ihn den Stendalern überlassen. Mehrere Tausend Objekte sind in dem Gebäude zu sehen: Geräte, Dokumente, Kleidung und anderes mehr. Ein Paradies für Geschichtsinteressierte. Schneider leitet Museum und Verein, forscht, schreibt Beiträge für Fachzeitschriften, organisiert Veranstaltungen und zeigt ausgewählte Fahrzeuge auch gern einmal auswärts. Im September geht es zu einem Feuerwehrjubiläum in das sächsische Riesa.

Momentan sind Schulferien, immer wieder einmal schauen Hortkinder vorbei oder Kinder mit ihren Eltern. Das Museum hat derzeit von Montag bis Sonnabend zwischen 9 und 15 Uhr geöffnet, am Sonntag herrscht Ruhe. Nach den Ferien und spätestens ab September ändern sich die Öffnungszeiten. Der Brandschutzgeschichte lässt sich dann dienstags, donnerstags und sonnabends von 9 bis 15 Uhr nachspüren. Wer den Kontakt sucht, Fragen hat, womöglich ein interessantes Stück abgeben möchte oder den Verein wie auch immer unterstützen will, der wähle Tel. (03931) 212575.

VON MARCO HERTZFELD

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