Mehrfach vorbestrafter Deutsch-Kasache muss ins Gefängnis / Keine Therapie im Vollzug

Sechs Jahre für Spielothek-Raub

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Hinter den Backsteinmauern des Landgerichts ging gestern der Prozess gegen einen 35-Jährigen zu Ende, der unter anderem im August vergangenen Jahres eine Spielhalle in Stendal überfallen haben soll.

Stendal. 45 Minuten dauerte die Beratung der Strafkammer am Landgericht gestern Vormittag. Danach stand das Urteil gegen den 35-jährigen, gebürtigen Kasachen fest.

Weil er im August vergangenen Jahres eine Spielhalle in Stendal mit vorgehaltener Schreckschusswaffe überfallen haben soll – und wegen weiterer Taten – sprach der Vorsitzende Richter Ulrich Galler ein Urteil von sechs Jahren aus. Das Geständnis des Angeklagten sei zwar positiv zu bewerten, negativ würden jedoch die zahlreichen Vorstrafen sowie die „schnellen Begehungszeiträume“ ins Gewicht fallen.

Aus dem Gericht

Über 12 Jahre seines Lebens hat der 35-Jährige bereits hinter Gittern verbracht. Dementsprechend zahlreich auch seine Einträge im Bundeszentralregister – die Liste reicht von Diebstahl, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Beleidigungen über Sachbeschädigung und Körperverletzung bis zu versuchtem Totschlag.

Die Strafkammer hat mit ihrem Urteil quasi die goldene Mitte getroffen. Denn die Staatsanwaltschaft forderte acht Jahre, Verteidiger Hartmut Pawlitzki plädierte auf vier Jahre. Richter Galler befand zudem, dass die Kammer von einem minderschweren Fall ausgehe, was den Ausführungen Pawlitzkis entsprach. Zum einen sei die Waffe aufgrund der Entfernung zur Spielhallen-Kassiererin „nicht unbedingt gesundheitsgefährdend“ gewesen, zum anderen habe jene Angestellte keinerlei psychische Schäden durch den Überfall davongetragen. Auch sei die Beute im Wert von knapp 900 Euro erstattet worden. Zusätzlich zu dem Überfall ging es noch um drei weitere Taten (AZ berichtete).

Bereits am 12. April soll der Beschuldigte auf dem Gelände einer Tankstelle eine Frau nach einem Einparkmanöver ihrerseits heftig beleidigt haben, weil er dachte, sie hätte sein Auto beschädigt. Dem war nicht so. Als ein fremder Mann der Frau zu Hilfe eilte, soll der 35-Jährige massiv auf diesen eingeschlagen und -getreten haben.

Rund sechs Wochen später soll er in der besagten Spielhalle brutal auf einen Mann eingeschlagen haben. Nach Angaben des 35-Jährigen soll das Opfer die Partnerin des Angeklagten, die dort arbeitet, mehrfach belästigt haben. Nachdem es bereits drinnen zur Auseinandersetzung kam, soll der Angeklagte auch auf dem Spielothek-Parkplatz nicht von dem Mann abgelassen haben. Weiterhin soll der Deutsch-Kasache ohne gültigen Führerschein Auto gefahren sein, habe während einer Fahrt einen Unfall gebaut und sei vom Tatort geflüchtet.

Die Strafkammer entschied sich außerdem gegen eine Unterbringung im Maßregelvollzug. Hartmut Pawlitzki hatte aufgrund der Cannabis- und Kokainabhängigkeit seines Mandanten hierzu ein zweites Gutachten gefordert. Dies wurde abgelehnt. „Es gibt keine feste Überzeugung für einen Hang zum Drogenkonsum“, so Galler. Daher auch keine Therapie.

Von Mike Höpfner

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