Erdaustausch scheitert vorerst an den Kosten

„Schwellentränke“ bleibt verseucht: Stadt Stendal sucht privaten Investor

+
Besonders gesichert ist das Gelände nicht. Es erstreckt sich vor allem noch weiter nach links. Vor einiger Zeit wurden auf dem Areal zumindest noch Baustoffe gelagert.

Stendal – Das verseuchte Gelände der früheren Rütgers-Werke will die Stadt erst einmal nicht anfassen. Eine Sanierung der sogenannten Schwellentränke soll weiter auf Eis gelegt werden. So lautet jedenfalls der Vorschlag aus dem Rathaus.

Knackpunkt sind und bleiben demnach die Kosten. Schätzungsweise siebeneinhalb Millionen Euro müssten investiert werden, um das Areal zu dekontaminieren, wie es in dem Papier heißt.

Ein Fördermittelantrag beim Land lief bereits vor Monaten ins Leere. Die Stadtverwaltung will nun erst einmal einen Schlussstrich ziehen, aus der Welt ist die Sache damit aber noch nicht. Der Landkreis als zuständige Behörde könnte bei einer Gefährdung die Arbeiten anordnen.

Mutmaßliche Reste einer Anlage für Skater, die es früher an der Gardelegener Straße in Stendal gab.

Das Grundstück misst insgesamt knapp 35 000 Quadratmeter, was fast fünf Fußballfeldern entspricht. Etwa ein Drittel der Fläche davon seien nachweislich mit Schadstoffen belastet, ein Großteil davon ist versiegelt, also mit Asphalt und Beton bedeckt. An der Gardelegener Straße wurde früher eine Schwellentränke zum Behandeln von Holz für Eisenbahngleise betrieben. Das Erdreich müsste ausgetauscht, das Grundwasser behandelt werden. Ein Stendaler Ingenieurbüro und Umweltlabor habe vieles aktuell noch einmal untersucht und durchgerechnet. Die Stadtverwaltung sieht offenbar keine akute Gefahr. Die Fläche werde permanent überwacht, der Landkreis werte die Daten der Messstellen aus.

Das Rathaus kennt momentan nur noch eine Möglichkeit. Die Schwellentränke könnte über das Landesamt für Altlastenfreistellung saniert werden. Für eine Förderung müsste allerdings ein privater Investor her, der das Grundstück von der Stadt erwirbt und es perspektivisch für gewerbliche Zwecke nutzt. Inwieweit die Politik diesem möglichen Weg folgt, bleibt abzuwarten. Der Liegenschaftsausschuss bekommt den Beschlussvorschlag am 16. September als Erster auf den Tisch. Weitere Ausschüsse folgen, der Stadtrat hat am 14. Oktober das entscheidende Wort. Ein Abschluss der scheinbar unendlichen Geschichte einer Sanierung der Gardelegener Straße 60 ist somit noch nicht gefunden.

Im Erdreich wurden Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen, ein Erbe der Schwellentränke. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind PAK eine besorgniserregende Stoffgruppe. PAK seien „krebserregend, können das Erbgut verändern und haben fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften“. Sie können in der Umwelt schlecht abgebaut werden und reichern sich in Organismen an, heißt es auf der Internetseite der Behörde weiter. Die Stadtverwaltung scheint um ihre Verantwortung zu wissen und sucht weiter nach Auswegen. Das gesamte Grundstück sei im jetzigen Zustand nicht veräußerbar. Ob eine Teilung und zumindest der Verkauf eines Stücks möglich wäre, müsste geprüft werden.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare