Schwellenängste nehmen

Das Gotteshaus in Uchtspringe soll zukünftig auch Museum und Ort für andere Veranstaltungen sein. Für so manchen Gläubigen wahrscheinlich eine gewisse emotionale Herausforderung. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2011 beginnen.

Uchtspringe - Von Marco Hertzfeld. Die Salus-Kirche in Uchtspringe soll aus ihrem Dornröschenschlaf geholt werden. Dafür gehen Verantwortliche ungewöhnliche Wege. Das Gotteshaus soll 2011 saniert und nicht zuletzt zum Museum ausgebaut werden.

Die Kirche ist von reichlich Grün umgeben. Letzte Regentropfen perlen von den Blättern der Bäume. Der Turm scheint sich an diesem Morgen im Nebel verstecken zu wollen. Irgendwie sieht das um 1900 errichtete Gotteshaus in Uchtspringe verwunschen aus. Im Gras davor liegt ein Zettel, der stark durchnässt für September ein Erntedankfest und eine neunmonatige Umbauzeit ohne Gottesdienst ankündigt. Doch es scheint nicht großartig viel passiert zu sein. Die Arbeiten sollen nun nämlich doch erst im Frühjahr beginnen. Die Salus lasse das Haus für annähernd 400 000 Euro sanieren und zum Besucherzentrum ausbauen, so deren Sprecherin Franka Petzke.

Handwerker mögen Fußboden erneuern und ihm eine Heizung geben. Treppen, Dielen und Fenster sollen repariert, die Klinkerfassade gereinigt und beschädigte Putzflächen ausgebessert werden. Petzke: „Zu den Maßnahmen gehören weiterhin umfangreiche Malerarbeiten, der Einbau eines Sanitärbereiches, die Erneuerung der Elektroinstallationen und die Instandsetzung der Glockenanlage.“ Leader-Regionalentwickler unterstützen das Vorhaben mit annähernd 56  000 Euro. Den Großteil der Kosten bezahlt die landeseigene Salus selbst. Im Sommer soll alles fertig sein.

Touristen, Einwohner, Patienten und andere Interessierte können sich dann dort über die Klinik informieren. Nicht zuletzt soll nämlich die Ausstellung „Dämonen und Neuronen. Psychiatrie gestern – heute – morgen“ (AZ berichtete) im sanierten Sakralbau unterkommen. „Die Exposition besteht aus einem fest integrierten regionalspezifischen Teil zur Uchtspringer Krankenhausgeschichte und einem mobilen Teil zur Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen im Allgemeinen, der auch in anderen Institutionen gezeigt werden soll“, erläutert Petzke der AZ. Das Gebäude, übrigens Eigentum des Klinikums, werde sozusagen zum „Heimathafen“, die Wanderausstellung „dockt“ irgendwann an. Mit dieser außergewöhnlichen Schau unter der Federführung von Prof. Dr. Christfried Tögel wolle die Salus „Schwellenängste und Vorurteile gegenüber der Psychiatrie und psychisch kranken Menschen“ abbauen sowie zur Aufklärung beitragen. Die Schirmherrschaft über „Dämonen und Neuronen“ hat bekanntlich Herbert Grönemeyer. Darüber hinaus mögen in dem Gebäude auch andere Veranstaltungen stattfinden.

Die religiöse Gemeinde werde über eine frisch renovierte Kirche verfügen können, die zudem noch beheizbar sei, so Thomas Rehbein, Vorsitzender des Kirchspiels Staats. Anfangs noch skeptisch, freue er sich nun auf das Projekt. Dass ein Museum der „Würde des Gotteshauses“ nicht entgegenstehe, davon gehe er aus. „Zudem werden Museumsbesucher mit Kirche konfrontiert, die vielleicht sonst nie einen Fuß in eine Kirche gesetzt hätten.“ Das Verringern der Sitzplätze werde sicherlich nur am Heiligen Abend ein richtiges Problem sein, so Rehbein.

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