Wenn Kinder Schule schwänzen

Schulverwaltungsamt des Landkreises Stendal will Sozialarbeiter verstärkt einbinden

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Kein Bock auf Schule: Eltern bekommen oft nichts davon mit.

Stendal – Viele Eltern bekommen nicht mit, wenn der eigene Sprössling die Schule schwänzt, anderen ist es schlichtweg egal.

Zu dem Schluss kam am Mittwoch Andreas Uiffinger, Mitarbeiter im Schulverwaltungs- und Kulturamt des Landkreises Stendal, als er im Rahmen des Schul-, Sport- und Kulturausschusses über den Stand der Schulpflichtverletzungen informierte.

Häuft ein Schüler mehrere unentschuldigte Fehltage an, kann die Schule darüber entscheiden, dies dem Schulverwaltungsamt zu melden. In schwereren Fällen bekommt er ein Bußgeld auferlegt, bei Schülern unter 14 Jahren müssen die Eltern ins Portemonnaie greifen. Doch in welchem Alter fangen Kinder an, die Schule zu meiden?

„Ganz vereinzelt geht das schon in der Grundschule los“, weiß Dr. Ulrike Bergmann, Leiterin der Schulbehörde. Knapp 0,4 Prozent der 3574 Abc-Schützen im Landkreis Stendal schwänzten im Schuljahr 2017/18 den Unterricht.

„In dem Alter ist das Fernbleiben ganz klar den Eltern zuzuschreiben“, meint Bergmann. Sie betont, dass jede Schulabstinenz ein Einzelfall sei. Die Gründe dafür seien vielfältig, wie Uiffinger den Ausschussmitgliedern erklärte, sie seien aber oftmals auf schwierige Familienverhältnisse zurückzuführen.

Am häufigsten sei die Schulabstinenz bei 13 bis 14-Jährigen zu beobachten. „Wenn Kinder in die Pubertät kommen, wollen sie neue Dinge ausprobieren“, weiß Uiffinger über das Fernbleiben älterer Kinder.

Das spiegelt sich auch in der Statistik wieder: An den Berufsschulen ist die Zahl der Schulschwänzer im vergangenen Jahr von 1,5 auf 1,9 Prozent angestiegen, bei einer Schülerzahl von 2212. Von 2964 Sekundar- und Gemeinschaftsschülern im Landkreis fehlten drei Prozent unentschuldigt.

Am höchsten ist der Anteil derjenigen, die im vergangenen Schuljahr eher durch Abwesenheit als durch gute Leistungen auffielen, an Förderschulen. Bei 487 Schülern beträgt die Rate der Schulschwänzer hier 5,75 Prozent.

Bei den Gymnasien, die sich im Landkreis Stendal in öffentlicher Trägerschaft befinden, könne man die Problematik durchaus vernachlässigen. „Von vier Gymnasien wurden uns nur drei Schüler gemeldet“, so der Verwaltungsmitarbeiter, das sind in der Statistik 0,1 Prozent von 2.950 Schülern. Keine einzige Meldung gab es vonseiten der Privatgymnasien. Ethnische Auffälligkeiten gebe es nach Meinung Uiffingers nicht. Bergmann weist darauf hin, dass die Zahlen nur bedingt belastbar seien.

Beide Experten sind sich einig, dass nicht die Bestrafung eines Schulschwänzers an erster Stelle stehen sollte, sondern vielmehr der Mensch an sich – und der Wille, den Nachwuchs wieder in den Schulalltag einzugliedern.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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