Landkreis sucht händeringend nach einem Kinderarzt und will wenn nötig selbst ausbilden

Dr. Schubert schreibt das Rezept

Amtsärztin Dr. Iris Schubert

Stendal. Der allgemeine Ärztemangel in der Region hat nun sogar das Gesundheitsamt in Stendal erreicht. Dem Jugendärzlichen Dienst fehlt ein Kinderarzt.

Seit mindestens einem halben Jahr bemüht sich der Landkreis um einen zweiten ordentlichen Fachkollegen, schaltet sogar Zeitungsannoncen in Berlin und im Land Brandenburg. Bislang ohne Erfolg. Dr. Iris Schubert muss vorerst weiterhin mit Honorarverträgen und verstärktem Einsatz einfacher Helfer über die Runden kommen. „Das Problem des Ärztemangels ist nun einmal allgegenwärtig“, so die Leiterin der Gesundheitsbehörde im Fachausschuss des Kreistages.

Gerade die Schuleingangsuntersuchung sei ungemein wichtig. Seit 2005 um ein Lebensjahr vorverlegt, bleibt nun gegebenenfalls mehr Zeit für Förderungen nicht zuletzt der Sprache. In dieser Phase sind Kinder noch sehr entwicklungsfähig. Amtsärztin Dr. Schubert: „Man glaubt es kaum, es gibt tatsächlich Mädchen und Jungen, die wissen noch nicht einmal, wie man einen Stift hält, weil sie den ganzen Tag nur gespielt haben. Dafür können sie perfekt auf einem Bein stehen.“ Andere Kinder können hingegen schon ihren Namen und andere ganze Wörter schreiben, haben aber mit der Bewegung so ihre Probleme. Möglichst allen diesen Kindern soll durch gezielte individuelle Unterstützung geholfen werden.

In der dritten und sechsten Klasse schaut der Jugendärztliche Dienst des Landkreises Stendal noch einmal nach, wie sich die Kinder entwickelt haben. „Die letzte große Untersuchung, bevor sie es im Leben mehr oder weniger allein schaffen müssen.“ Gibt es aus ärztlicher Sicht irgendein körperliches Defizit oder fehlt eine bestimmte Impfung, steht das auf einem kleinen Zettel, den die Schüler mit nach Hause bekommen. Wie viele Eltern den Empfehlungen aus der Schulreihenuntersuchung tatsächlich folgen und ihren Nachwuchs einem Facharzt vorstellen, kann Dr. Schubert nicht sagen. Den Eltern könne da letztendlich nichts vorgeschrieben werden.

Der Jugendärztliche Dienst werde die nächsten Schultests mit der aktuellen Personalbesetzung wahrscheinlich nicht vollständig schaffen. Die zwei Helfer müssten verstärkt allein in die Spur geschickt werden, um die Kinder zumindest schon einmal zu wiegen und andere grundlegende Arbeiten ohne einen Arzt zu erledigen. Zudem bemüht sich der Landkreis bei der Ärztekammer um die Erlaubnis, Kinderärzte ausbilden zu können. Gibt es grünes Licht aus Magdeburg, könnte das Gesundheitsamt in dieser Sache mit dem Johanniter-Krankenhaus Stendal kooperieren. „Wir sind da ein wenig Pilotprojekt“, so die Amtschefin. Parallel dazu laufen die Ausschreibungen für einen Kinderarzt aber weiter.

Die Suche dürfte schwierig bleiben, auch wenn ein Allgemeinmediziner mit reichlich Erfahrung im Kinderbereich erst einmal reichen würde. Die Einsparungen im Kreishaushalt der vergangenen Jahre hätten nichts mit der Misere zu tun, beteuert Vize-Landrat Carsten Wulfänger (CDU). Die Mitarbeiterzahl im Gesundheitsamt an der Wendstraße in Stendal sei seit 2009 unverändert und liege mit etwas mehr als 28 Stellen sogar noch über dem, was für einen Landkreis dieser Größe notwendig sei. Neben der Stelle eines Kinderarztes ist auch die eines Psychiaters vakant, allerdings schon seit Längerem.

Von Marco Hertzfeld

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