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DGB schreibt nach Talfahrt nun wieder bessere Zahlen

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Die linke Hand zur Faust geballt. Die Gewerkschaften haben sich bei Tarifauseinandersetzungen im Industrie- und Gewerbepark Altmark bei Arneburg und an anderen Brennpunkten im Landkreis Stendal altes Selbstvertrauen zurückgeholt. © Boetzer

Stendal. „Es geht wieder aufwärts. Die Menschen brauchen uns doch noch“, meint Kreisvorsitzender Peter Bollfraß. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den drohenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit vorerst abgewendet.

Allein im Landkreis Stendal folgen wieder annähernd 25 000 Menschen den Signalen des Dachverbandes und der Einzelgewerkschaften. Nach der politischen Wende, der Auflösung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) und den Umbrüchen in der postkommunistischen Gewerkschaftsbewegung waren die Mitgliederzahlen in den neuen Bundesländern regelrecht eingebrochen. So auch in der Ostaltmark. 1992 hielten dem DGB noch circa 30 000 Bürger die Treue. Der absolute Tiefpunkt war im Jahre 2004 mit 18 000 Beitragszahlern erreicht. Auch danach hatten die Funktionäre im Landkreis einen schweren Stand.

Nun offenbar die Trendwende. Die Gewerkschaften in der Altmark haben in den jüngsten Arbeitskämpfen Selbstvertrauen getankt, etliche Hundert Arbeiter und Angestellte haben sich mobilisieren lassen. Bollfraß nennt die Tarifauseinandersetzungen in der Papierindustrie und im öffentlichen Dienst als Beispiele. „Darüber hinaus nehmen wieder mehr Menschen die normale Rechtsberatung in Anspruch, um sich bei bestimmten Konflikten, die am Arbeitsplatz entstanden sind, helfen zu lassen“, so Bollfraß. Der Rolandstädter führt den DGB-Kreisverband Stendal seit 1992, zwischenzeitlich war er sogar für die gesamte Altmark zuständig. 2014 steht die nächste Vorstandswahl an. Ob der dann 69-Jährige noch einmal für das Führungsamt bereitsteht, macht er von seiner Gesundheit und dem Wohlwollen der Familie abhängig.

Der DGB fühle sich nicht allein den gewerkschaftlich gebundenen Stammbelegschaften kleiner und mittlerer Unternehmen verpflichtet, von denen es in der Region noch vergleichsweise viele gebe. Etwa eine Million Menschen oder zwei Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland sind sogenannte Leih- oder Zeitarbeiter. Genaue Zahlen für die Altmark kennt Bollfraß nicht, der Prozentsatz dürfte sich allerdings in einem ähnlichen Bereich bewegen. Der DGB steht der gesamten Branche recht skeptisch gegenüber. „Viele Leute sind bei den Vermittlern falsch eingruppiert und erhalten schon allein dadurch weniger Geld als andere“, so Bollfraß. Auch der seit Beginn des Jahres geltende Mindestlohn reicht den Gewerkschaften nicht aus, zumal dieser in Ostdeutschland noch geringer sei als in den alten Bundesländern. „Wir fordern einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde für alle. Dass mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung selbst in diesem Bereich noch derartige Unterschiede gemacht werden, ist nicht nachvollziehbar.“ Momentan werden im Osten 7,01 Euro gezahlt, im Westen 7,89 Euro. Im November soll er im Osten auf 7,50 Euro und im Westen auf 8,19 Euro steigen.

Von Marco Hertzfeld

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