Polka wie im Galopp: Paare bereiten großen Abend vor / Mitstreiter melden sich bei Ingrid Ex

Schön tanzen wie anno dazumal

Sie proben mit Hingabe für den Regimentsball zum Traditionstreffen der Husaren-Vereine: So erschallt Lehár und Strauß statt Rock und Rap einmal monatlich im Mad-Club. Foto: Pohlmann

pm/tje Stendal. Statt Rock-, Rap- oder Pop-Klängen erschallen im Mad-Club an der Wahrburger Straße einmal monatlich sehr klassische Tanzmelodien, worüber sich die jugendlichen Besucher etwas wundern. Seit Oktober 2010 trifft sich dort eine Tanz-Interessengemeinschaft.

Sie besteht derzeit aus 16 Mitgliedern im Alter zwischen 18 und 80 Jahren.

Da die tanzfreudigen Frauen und Männer sich mit den Traditionalisten von Stendals 10. Husaren-Regiment eng verbunden fühlen und sie deren Regimentsball am Sonnabend, 5. Mai im Hotel „Schwarzer Adler“ bewegend unterstützen wollen, stehen unter Leitung von Ingrid Ex Solo-, Kontra- und Partnertänze aus dem 19. Jahrhundert zu Musik von Mozart und Komponisten der Zeit Königin Luises im Mittelpunkt.

Für die Musik zum Regimentsball sorgt mit dem Bremer Kaffeehaus-Orchester ein renommierter Klangkörper, der der Stendaler Tanzgemeinde an diesem Abend prickelnde Momente der Hochkultur verspricht. Dieses Vergnügen bereiten die fünf Musiker schon alleine von ihrer Optik her, denn natürlich spielen Violinist Constantin Dorsch, Flötist Klaus Fischer, Pianist Johannes Grundhoff, Kontrabassist Anselm Hauke und Cellist Gero John schick in Frack und mit Fliege auf. Sie werden klassische Kaffeehausmusik von Strauß, Linke und Lehár darbringen. Dabei hat das Fünftett stets den Charme des Augenblicks im Visier.

Gesellschaftstänze zur Zeit von anno dazumal bilden eine bewegte Historie. Da gibt es etwa die Mazurka, der ursprünglich der Nationaltanz der Masuren war und im langsamen Dreiviertel-Takt gespielt und natürlich auch getanzt wird. Um 1840 verfeinerte er sich zum Gesellschaftstanz. Polnische Emigranten brachten ihn nach Paris, von wo aus er sich über ganz Europa verbreitete. Auch die Polka fällt in diese Zeit, sie war einst der mitteleuropäische Bauerntanz und wird im Zweiviertel-Takt getanzt. Der Polka-Bauerntanz wurde im Gegensatz zum „Schleifer“, besser bekannt als Walzer auch „Hopser“ genannt. Erstmals wurde er um 1830 in Böhmen getanzt. Jedenfalls eroberte die Polka im rasanten Tempo die Ballsäle Europas. Der Grundschritt besteht aus einem Hüpf- und einem Wechselschritt, wobei auf die ersten drei Achtel je ein Schritt (Chasse) und auf das vierte Achtel ein Hopser kommt.

Und auch der Rheinländer ist ein Muss für traditionsbewusste Tänzer. Er kommt im Zweiviertel-Takt daher und wurde um die Jahrhundertwende getanzt. Beim Rheinländer wechseln offene Paar-Bewegungen mit paarweisen Hüpfern und walzerähnlichen Drehungen ab. Auch die Tyrolienne, ein Rundtanz im ruhigen Dreiviertel-Takt, und natürlich der Galopp, der um 1820 in Deutschland populär gewordene Gesellschaftstanz im Zweiviertel-Takt, zählen zum bedeutsamen Historiktanz-Repertoire

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