Neue Spielzeit am Theater der Altmark will zur Diskussion um Werte beitragen

Schlusspunkt kommt mit Pferdefuß

Insgesamt 14 Neu-Inszenierungen bietet die letzte Spielzeit, die Stendals Noch-Intendant unter dem Motto „Wertvoll“ vorbereitet hat. Gestartet wird mit einer griechischen Tragödie.
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Insgesamt 14 Neu-Inszenierungen bietet die letzte Spielzeit, die Stendals Noch-Intendant unter dem Motto „Wertvoll“ vorbereitet hat. Gestartet wird mit einer griechischen Tragödie.

Stendal. Wie macht ein Intendant dem Publikum seine neue Spielzeit schmackhaft? Er nimmt sein Ensemble und verteilt Rollen, zumindest Ausschnitte von allen Stücken, die gespielt werden sollen, bezieungsweise er wählt aus den Anfangspremieren, die schon geprobt werden, Szenen aus und lässt sie von der Chefdramaturgin zur Revue verknüpfen. Kostproben also, die Appetit aufs Ganze machen sollen.

Kostenfrei angeboten hat diesen Querschnitt aus der letzten Saison in Stendal namens „Wertvoll“ Intendant Alexander Netschajew zum Start in die Spielzeit 2017/18 am Wochenende – mit Erfolg. Die Zuschauer waren zwei Stunden lang vom Gesehenen und Gehörten angetan. Neugierde wurde geweckt, nicht zuletzt auch durch die publikumssichere Art der Darbietung in der Conference des Intendanten, der die Anwesenden zu packen wusste.

So präsentierte Caroline Pischel als „Antigone“ beeindruckend, wie sie sich gegen ihren Widerpart, König und Vater durchsetzt (Premiere: 2. September, 19.30 Uhr, Großes Haus). Als Kontrast dazu zeigte Claudia Tost aus „Ein Schaf fürs Leben“ fundiertes Puppenspiel (Premiere: 3. September, 15 Uhr, Theaterpädagogisches Zentum, Hallstraße). Im Kaisersaal soll es wieder musikalisch zugehen, denn er wird sich in einen „singenden Waschsalon“ verwandeln. Dort werden Michaela Fent, Andreas Dziuk und Thomas Weber sängerische Fertigkeiten beweisen (Premiere: 3. September, 18 Uhr). Heiter zugehen soll es nach Netschajews Worten bei „Trennung für Feiglinge“ ( (Premiere: 9. September, 19.30 Uhr, Kleines Haus). In der Komödie wird Frank Siebers als Paul mit Susann Toni Wagner (Sophie) und Giovanni Arvaneh (Martin) mal nicht in einer tragischen Rolle wie bei „Nathan“ zu erleben sein.

Aud Merkel schuf nach „Ritter Roland“ eine „theatralische Begegnung“ mit dem berühmtesten Sohn der größten Stadt der Altmark. „Winckelmanns Traum“ ( (Premiere: 10. September, 18 Uhr, Stadtbibliothek) wird von Angelika Hofstetter als Journalistin, Hannes Liebmann als Bibliothekar und Thomas Weber in der Rolle eines Lesers im Refektorium des früheren Franziskanerklosters am Mönchskirchhof aufgeführt – als Ehrung des Ensembles zum Jubiläum des weltweit prominenten Altertumsforschers.

Für die ganze Familie geeignet ist das Stück „Ein Känguru wie Du“ , das von einem boxenden Beuteltier handelt und mit den Darstellern Simone Fulir, Carsten Faseler, Dimitrij Breuer und Hannes Liebmann gezeigt wird (Premiere: 21. Oktober, 17 Uhr, Kleines Haus).

Ein besonderes Raunen ging durch die Zuschauerreihen, als Michaela Fent und Andreas Müller zwei Songs aus „My fair lady“ vortrugen (Premiere: 28. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus). Das Musical nach George Bernard Shaws „Pygmalion“ ist nach zehn Jahren Abstinenz wieder im Spielplan des Theaters der Altmark (TdA).

Der Astrid-Lindgren-Klassiker „Pippi Langstrumpf“ (Premiere: 12. November, 15 Uhr, Großes Haus) wird die Jüngsten erheitern und das Stück „Love Letters“ wird als Weihnachtsprogramm mit musikalischer Begleitung angekündigt (Premiere: 6. Dezember, 19.30 Uhr, Kleines Haus).

Das Schauspiel „Fabian“ (Premiere: 13. Januar, 19.30 Uhr, Großes Haus) und das Stück „Verbrennungen“ (Premiere: 23. März,, 19.30 Uhr, Hinterbühne) mischen sich direkt in brisante Probleme der Gegenwart ein, obwohl Ersteres von Erich Kästner schon fast 100 Jahre auf dem Buckel hat. Zum Ende von Netschajews Stendaler Abschiedsära soll es noch einmal heiter werden mit „Original“ und dem Sommertheater im Gerberhof, wo Ephraim Kishons Komödie „Es war die Lerche“ zu sehen ist (Premiere 25. Mai, 20.30 Uhr) – Romeo und Julia zu ihrem 30. Hochzeitstag. Wie sich die Zeiten ändern können.

Endgültiger Schlusspunkt ist das Open-Air-Spektakel „Lysistrata“ zu Füßen des Trojanischen Pferdes im Garten des Winckelmann-Museums (Premiere: 1. Juni, 20 Uhr). Genug geschnuppert? Dann „Nix wie hin!“ Der Weg lohnt sich.

Von Ulrich Hammer

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