„Er schlug von hinten mit dem Hammer zu“

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Drei Verhandlungstage hat das Landgericht Stendal für die Verhandlung gegen Roland R. angesetzt.

Stendal. „Er hat von hinten mit dem Hammer zugeschlagen, das Blut ist gelaufen wie verrückt. Ich dachte, der hat mir den Schädel durchgehauen“. Fast zwei Jahre ist es schon her, dass Mirco J. (Name geändert) im Flur eines Lichterfelder Mehrfamilienhauses eine klaffende Platzwunde davontrug. Doch er erinnert sich noch an jedes Detail der damaligen Hammer-Attacke.

Und die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Stendal, vor der der Fall seit gestern verhandelt wird, kann sich aufgrund der genauen Schilderung davon überzeugen, dass Roland R. offenbar nicht jener harmlose und unbescholtene Bürger ist, für den er sich ausgibt – im Gegenteil. Roland R. ist 68 Jahre alt, nach eigenen Angaben zu 80 Prozent schwerbehindert und das Opfer vieler böser Menschen und „Neofaschisten“ in seinem Umfeld – so sieht er sich selbst. Für andere ist er Querulant, wie er im Buche steht. In der Kneipe hat er Hausverbot, aus der Feuerwehr ist er rausgeflogen, aus dem Fenster soll er mehrfach auf Autos gespuckt haben. Und weil er eine Geldstrafe nicht zahlte, saß er auch schon mal einen Monat im Gefängnis. Der Gutachter des Landeskrankenhauses Uchtspringe hat noch keinen Satz gesagt, da wird er schon von dem Angeklagten beschimpft, seine Anwältin kann ihn nur mit Mühe beruhigen. Roland R. ist nicht nur wegen der Hammer-Attacke angeklagt. Außerdem soll er in Lichterfelde einen Nachbarn mit einem Messer und den Worten „Komm her, ich stech dich ab, du Schwein, du Faschist“ bedroht und in Seehausen nach einer verbalen Auseinandersetzung Reizgas auf seinen Gegenüber gesprüht haben. Die beiden letzten Vorwürfe streitet der 68-Jährige ab, den Hammer-Angriff räumt er ein. Mirco J. hatte den Mann zur Rede stellen wollen, weil er aus seinem Fenster heraus pausenlos eine Geburtstagsparty im Garten fotografierte und die Gäste sich belästigt fühlten. „Ich hörte, wie drinnen eine Schublade aufgerissen wurde und wollte gerade wieder weggehen, als er die Tür aufriss und von hinten zuschlug“, schildert das Opfer. Roland R. will nicht gewusst haben, dass er einen Mann attackierte: Er habe blindlings zugeschlagen „und erst als ich ein Stöhnen hörte, wurde mir klar, dass ich einen Menschen getroffen habe“ – eine diffuse Aussage, die bei der Staatsanwältin nur Kopfschütteln auslöst. Kommenden Dienstag wird der Prozess fortgesetzt, es ist womöglich der letzte für Roland R. in Stendal. Denn er will nach Berlin umziehen, weil die Lichterfelder ihm alle nur Böses wollen. „Ein Umzug ist vielleicht nicht verkehrt“, kommentiert die Vorsitzende Richterin trocken dieses Vorhaben.

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