Verkehrsmeldungen in Echtzeit: Sachsen-Anhalt startet bundesweit einmaliges Projekt

Schilderwagen als Warnmelder

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Die Schilderwagen sollen nach und nach mit der neuen Technik ausgerüstet werden. Kommen sie an Fernstraßen zum Einsatz, wird dies unter anderem in Navis sofort angezeigt.

Magdeburg. Sachsen-Anhalts Fernstraßen sollen sicherer und berechenbarer werden. Die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) setzt dabei auf Hightech und länderübergreifende Zusammenarbeit.

Ein deutschlandweit bisher einmaliges System, das Fahrer vor Wanderbaustellen und anderen Verkehrshindernissen warnt, ging nun in Betrieb.

„Es geht darum, Informationen von der Straße direkt in die Autos zu übermitteln“, beschreibt Klaus Jäckel das Prinzip. Der Mitarbeiter der Stabstelle Straßendaten der LSBB ist geistiger Vater des AWSA, des Arbeitsstellenwarnsystems Sachsen-Anhalt, das auf vorhandenen technischen Möglichkeiten beruht. Das Neue: Die mobile Betriebsdatenerfassung der Straßenbaufahrzeuge, das Traffic Info Center (TIC) und die Landesmeldestelle, die Verkehrsdaten an Rundfunkstationen und Navi-Zentralen sendet, wurden dafür gekoppelt.

LSBB-Mitarbeiter Klaus Jäckel.

Im Unterschied zu anderen Verfahren können Auto- und Lkw-Fahrer die Meldungen in Echtzeit empfangen. Das sei nicht nur bei Tagesbaustellen wichtig, sondern auch für den normalen Betriebsdienst (zum Beispiel Mäharbeiten). Sobald ein Arbeitsfahrzeug seine Position bezieht, übermittelt es ein Signal. Auf dem Navi oder im Radiodisplay erscheint sofort ein Hinweis, der vor dem Hindernis warnt. Rund 150 000 Euro hat die Entwicklung gekostet. Das Verfahren soll bald auf allen Autobahnen und Bundesstraßen im Land verfügbar sein. Bis Ende 2019 werden alle Sicherungsanhänger und Vorwarntafeln damit ausgerüstet sein. Kosten: knapp 800 Euro pro Stück.

Es gehe in erster Linie darum, die Aufmerksamkeit der Kraftfahrer zu erhöhen, um Staus und Unfälle möglichst zu vermeiden, stellt LSBB-Präsident Uwe Langkammer klar. Allein 2017 wurden auf Sachsen-Anhalts Straßen neun Schilderwagen zu Schrott gefahren. Im Jahr zuvor verlor ein Straßenwärter bei einem solchen Unfall sein Leben. Auch wenn nicht jeder Crash so tragisch endet, brenzlige Situationen gebe es fast täglich. Oft seien es unaufmerksame Brummifahrer, die ungebremst in Baustellen hineinrasen.

Von Christian Wohlt

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