Stadt will an früheren Charakter der Strecke anknüpfen

Stendals historische Prachtstraße Schadewachten saniert

Ein Mann fährt mit dem Rad auf dem sanierten Schadewachten in Stendal.
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Stendals sanierter Schadewachten in Richtung Tangermünder Tor. Radfahrer haben ihre Piste links und rechts auf der Asphaltfläche schon einmal getestet.
  • Marco Hertzfeld
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Gewerbe und Gastronomie sollen am Schadewachten nach dessen Sanierung zulegen können. Die Strecke zwischen Breiter Straße und Tangermünder Tor gilt als Prachtstraße von einst. Die Stadt will an den früheren Charakter der Strecke anknüpfen.

Stendal – Der Schadewachten soll wieder einen höheren Stellenwert bekommen und von mehr Leben zeugen. „Durch die moderne Gestaltung und breite, sehr einladende Gehwege erhoffen wir uns eine Stärkung der ansässigen Gewerbe und der Gastronomie“, lässt Armin Fischbach die AZ vor der Freigabe der Straße am heutigen Mittwoch (8. September 2021) schon einmal wissen. Inwieweit sich die Prachtstraße von einst, zwischen Einkaufsmeile Breite Straße und Tangermünder Tor gelegen, tatsächlich derart entwickeln lässt, bleibt abzuwarten. Politik und Verwaltung dürfte erst einmal ein Stein vom Herzen fallen. Die grundhafte Sanierung der gut 500 Meter ist rechtzeitig vor dem Landesfest im Juli 2022 vollendet.

Letzte Arbeiten: Marcel Prodehl und Kollegen einer Stendaler Baufirma haben vor der Freigabe am 8. September noch für einen möglichst glatten Übergang zum Schadewachten gesorgt.

„Der Zeitplan wurde wie angekündigt eingehalten und die teils vorgetragenen Sorgen, dass das Bauvorhaben eine Gefahr für den Sachsen-Anhalt-Tag werden könnte, stellten sich als unbegründet heraus“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Klaus Schmotz (CDU) könnte das bei der offiziellen Übergabe ab 10 Uhr weiter zu würdigen wissen. Ganz ohne Reibungspunkte verlief das Projekt nicht. Nach der Fällung mächtiger Bäume gab es Kritik aus der Bevölkerung. Auch musste die Stadt mehrmals betonen, dass nicht zuletzt Versorgungsleitungen viele Jahrzehnte alt seien und endlich saniert werden müssten. Und Einzelhändler fürchteten für die Bauzeit um Kunden und Einnahmen.

Gastronomie und Gewerbe bedacht

Weil Baupreise in jüngster Zeit allgemein eher steigen als fallen, lohnt der genaue Blick aufs Geld. „Eine Schlussrechnung kann noch nicht erstellt werden, da uns noch gar nicht alle Rechnungen gestellt wurden. Wir werden aber definitiv innerhalb des veranschlagten Kostenrahmens von dreieinhalb Millionen Euro für den städtischen Teil bleiben“, versichert der Rathaussprecher gegenüber der AZ. Zwei Drittel dieser Summe sind Fördergeld. Stadtwerke und Stendaler Abwassergesellschaft sitzen bei dem Projekt mit im Boot, sie werden ihre Investitionen zum Abschluss hin noch selbst näher vorstellen wollen. Die Arbeiten am Schadewachten hatten so richtig im Frühjahr vergangenen Jahres begonnen.

Millionenbau nicht ganz reibungslos

„Ursprünglich war der Schadewachten ein Dorf, das Mitte des 13. Jahrhunderts als einer der ersten Orte überhaupt nach Stendal eingemeindet wurde“, weiß Fischbach. Im 15. Jahrhundert sei dort das Katharinenkloster entstanden, welches heute das Musikforum und das Altmärkische Museum beheimatet. „In der jüngeren Geschichte mauserte sich der Schadewachten zur Prachtstraße Stendals, die eine Pflichtstation jeglicher Paraden, Umzüge oder Spaziergänge war. Durch den alleeartigen Charakter, die eindrucksvollen Wohnhäuser und die Ausrichtung auf das Tangermünder Tor galt es schon als kleines Statussymbol, dort zu wohnen.“ Was die weitere Zukunft bringt, wird sich zeigen müssen.

Hervorgehoben im Kalender ist erst einmal das Landesfest an den ersten drei Julitagen 2022. „Der große Festumzug als traditioneller Abschluss und feierlicher Höhepunkt des Sachsen-Anhalt-Tages soll den Schadewachten als einen der wichtigsten Checkpoints passieren. Damit wird der Charakter der Prachtstraße erneut heraufbeschworen, die Geschichte des Schadewachten angemessen fortgeführt“, meint der Stadtsprecher. Kleinere Arbeiten müssen noch erledigt werden. Zuletzt fehlten noch Bänke und anderes urbanes Mobiliar sowie einige Fahrbahnmarkierungen. Die Arbeit einer großen Asphaltiermaschine im August führte auf die Zielgerade, tiefschwarz ist die Fahrbahn.

Ende Oktober sollen 30 Winterlinden gepflanzt werden. Sie sollen mit 25 bis 30 Zentimetern Stammumfang schon relativ stark sein. Zum Vergleich ließen sich die Bäume auf dem Marktplatz heranziehen, wo nach der Sanierung vor gut fünf Jahren ebenfalls die größtmöglichen Setzlinge ausgewählt worden seien, erläutert Fischbach. Momentan zeigt sich das alte Stendal am Schadewachten frei von Baumkronen. „Ehe die Fassaden ernsthaft verdeckt werden, ziehen noch viele Jahre und Jahrzehnte ins Land.“ Und überhaupt: „Ich würde sie eher als grünes Accessoire und wichtigen Baustein für das Stadtklima betrachten. Zudem war kurz vor der Fällung eine der am häufigsten vorgetragene Beschwerden der dortigen Anwohner und Hausbesitzer, dass der Schatten für die Gebäude wegfällt.“

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