Erfolgreiche Kästner-Premiere des Stückes „Fabian“ am Theater der Altmark

Satire warnt vor Unheil

Thomas Weber als Bettler, Carsten Faseler als Dr. Fabian und Caroline Pischel (v.l.) als zeitweilige „bessere Hälfte“ Fabians im gleichnamigen Stück, welches am Theater der Altmark gespielt wird. Foto: Theater der Altmark
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Thomas Weber als Bettler, Carsten Faseler als Dr. Fabian und Caroline Pischel (v.l.) als zeitweilige „bessere Hälfte“ Fabians im gleichnamigen Stück, welches am Theater der Altmark gespielt wird.

Stendal. In Erich Kästners Roman „Fabian“ wird der zerfallenden Weimarer Republik nicht nur ein Spiegel vorgehalten. Der Autor warnt seine Umwelt mit satirischer Schärfe vor dem drohenden Unheil einer heraufziehenden Nazidiktatur. Gottfried Greifenhagen hat den Roman dramatisiert.

Mit Dr. Fabian steht ein Mann der späten 20er Jahre auf der Bühne, der wie Hans Falladas „Kleiner Mann“ vergeblich versucht, seine Persönlichkeit aus den öffentlichen Wirren herauszuhalten, die Gesellschaft „von außen“ betrachten zu können. Vergebens. 

Die Zeitverhältnisse wirkten tödlich für den Einzelnen. Egal, ob als sogenannter „Beobachter von außen“ wie Dr. Jakob Fabian oder dessen Freund Dr. Fabian Labude, der mitgestalten möchte, aber beruflich zusammenbricht und sich selbst umbringt. Auch Fabian kann nur kurz glücklich lieben und leben. Er verliert jeden Halt und alle Illusionen.

Regisseur Andreas Hueck hat ein faszinierendes Gesellschaftsbild dieser Epoche mit dem Ensemble auf die Bühne gebracht. Beide Hauptfiguren, Carsten Faseler als Dr. Fabian und Andreas Müller als Dr. Labude, gestalten ihre Persönlichkeiten satirisch zugespitzt überzeugend. Jakob will, angeblich „über den Dingen stehend“, Beobachter des Lebens auf dem Vulkan sein, sein Gegenpol und Freund Labude/Müller möchte mithalten können, stürzt durch das Leben in Bordells, Kneipen und Ateliers, zerbricht aber letztlich an Unbilden des Alltages. Gestalterisch ist diese Szene ein ergreifender Höhepunkt darstellerischer Disziplin im Bühnenvordergrund.

Sarkastisch kommentiert das Thomas Weber als Bettler, der nichts mehr zu verlieren hat. Bei den Frauen besticht Caroline Pischel als zeitweilige „bessere Hälfte“ Fabians durch ihr natürliches Auftreten. Aber auch sie wird „angefressen“ von den Verhältnissen und zerstört. Das übrige Personenensemble stellt sich in verschiedenen Rollendarstellungen in den Dienst des Gesamteindrucks der Inszenierung. Zur Einfühlung in die Zeitverhältnisse trug die Musikerbesetzung mit Tuba (Orlando de Boykens) Akkordeon und Klavier (Bardo Henning) und Drums (Rudi Neuwirth) bei.

Bedeutsam wird diese Inszenierung sowohl durch die Darstellerleistungen als auch besonders durch ihre zuweilen bedrückend wirkende Aktualität. Die einmischende Warnung Kästners vor der Katas-trophe kann nicht eindringlicher wahrgenommen werden. Mit Beifall dankten die Premierenbesucher dem Ensemble.

Von Ulrich Hammer

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