„Wissen oder Experten fragen“

Sachverständiger spürt Klimawandel an heimischen Pilzen auf

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Der Kaiserling (Amanita caesarea), der sonst wärmere Gebiete liebt, ist inzwischen auch in Deutschland zu finden.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Die Pilzsaison 2021 schätzt Dieter Roloff als „ganz passabel“ ein. Im Vergleich zu den Dürrejahren 2018 und 2019 habe es dieses Jahr genug Regen und Sonnenschein gegeben, findet der Pilzsachverständige des Landkreises.

Stendal/Birkholz - Die Klimaveränderungen haben auch Auswirkungen auf die Pilzlese. „Ich merke das an den Pilzen. Manche kommen nicht hoch.“ Das führt Roloff darauf zurück, dass es keinen großen Landregen mehr gebe. Der Boden werde immer trockener und auch das Grundwasser zeige Minusbeträge.

Auf der anderen Seite hat das wärmere Wetter auch seine Vorteile. Durch Winde gelangen neue Pilzarten in unsere Gefilde und überwinden dabei oft ganze Kontinente. Als Beispiel nennt Roloff den Kaiserling. Dieser sei einer der schmackhaftesten Pilze, komme aber meist in wärmeren Gebieten vor. „Er kann vielleicht über die Alpen springen.“ Der Name Kaiserling gehe darauf zurück, dass die alten Römer diesen Pilz besonders geschätzt hätten.

Für das Sammeln hat der Pilzsachverständige vor allem einen Tipp: „Wissen oder Experten fragen.“ Von Bestimmungs-Apps und Büchern hält er nichts. Interessierte sollten eher mit Selbststudium ihr Wissen erweitern oder auf Exkursionen mitgehen.

Aber da hört es für Roloff noch längst nicht auf. Pilze, die Sammler selbst nicht kennen, sollten aus der Erde gehoben oder gedreht statt geschnitten werden. Denn an den Stielen befänden sich wichtige Erkennungsmerkmale. So würden oft die auch „Manschetten“ genannten Ringe entfernt. Und außerdem: „Die Pilze kommen nur sauber in den Korb“, betont Roloff. Gewaschen werden müssten sie hingegen aufgrund ihres hohen Wassergehalts nicht. „Auch das Futter lässt man dran. Da sind die besten Spurenelemente und Wirkstoffe drin.“ Sie als Ganzes zu braten, wie es im Fernsehen gezeigt werde, bezeichnet Roloff als „Scheibenhonig“. Dabei könnte es Schwierigkeiten mit der Verdauung geben. Schimmlige und alte Pilze können zum Aussporen aufgehängt werden.

Besonders verbreitet bei uns seien verschiedenste Arten von Maronen, aber auch Rotkappen. Der Pilzexperte empfiehlt, unter Eichen, Zitterpappeln und Birken zu suchen. Aber: „Ich muss als Pilzsammler auch mal in die Bäume gucken.“ Dort könnten zum Beispiel Wollige Scheidlinge gefunden werden.

Roloff warnt vor dem Genuss von Tintlingen mit Alkohol, was Herzrasen verursachen kann, und vor dem giftigen Pantherpilz. Letzterer werde oft mit Perlenpilzen oder Wulstlingen verwechselt. „Starker Regen wäscht manchmal die weißen Stellen ab.“

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