Stadt plant Sachsen-Anhalt-Tag noch für Juli - mit Corona-Nottermin

Landesfest in Stendal lässt sich auf 2024 schieben

Dem Winckelmann-Denkmal in Stendal ist eine Coronaschutzmaske aufgesetzt worden.
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Scherzkekse oder nicht, immer wieder einmal setzen Unbekannte dem Winckelmann-Denkmal eine Coronamaske auf. 2022 will Stendal das Virus endlich abschütteln.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Das Rathaus hat mindestens einen Plan B. Der für den Juli 2022 geplante Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal lässt sich um zwei Jahre auf 2024 verschieben. Sollte Corona das Landesfest in diesem Jahr unmöglich machen.

Stendal – In noch nicht einmal mehr einem halben Jahr soll das Land in der altmärkischen Kreisstadt groß feiern. „Die Hansestadt ist nach wie vor zuversichtlich, dass der Sachsen-Anhalt-Tag 2022 stattfinden kann“, lässt Sprecherin Susanne Hellmuth auf Anfrage dieser Zeitung wissen. Und doch gibt es mindestens einen Plan B. „Im Fall der Fälle würde es auf eine Verschiebung um zwei Jahre hinauslaufen, also auf einen Sachsen-Anhalt-Tag im Jahr 2024.“ Ganz gestrichen werden solle die Großveranstaltung jedenfalls nicht, beteuert die Rathaussprecherin. Noch hat Corona die Republik aber im Griff. Für so manchen Virologen steht Deutschland vor einer neuen größeren Infektionswelle, gleichzeitig ist vorsichtig optimistisch die Rede von einer Entspannung im Laufe dieses Jahres.

Der Schadewachten, historische Prachtstraße der Hansestadt, ist kürzlich saniert worden. Beim Landesfest soll der Festumzug unter anderem dort langführen.

Ähnlich klingen die Worte vonseiten der Stadt. Die Organisatoren setzen auf ein Landesfest im Sommer, vom 1. bis 3. Juli soll es über die Bühne gehen. „Wir sind hierzu im ständigen Austausch mit dem Land Sachsen-Anhalt, aber auch der Amtsärztin des Landkreises und bewerten regelmäßig die aktuelle Lage.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel schwankte zuletzt um die 300, mal ging es leicht runter, mal wieder ein Stück hinauf. Was die viel diskutierte Omikron-Variante des Virus auslösen wird oder auch nicht, bleibt noch abzuwarten. Ein Großteil der Politik zeigt sich jedenfalls alarmiert, Fachleute pochen auf Impfungen und Kontaktbeschränkungen. Für das Landesfest im Sommer wird mindestens eine viertel Million Besucher erwartet.

Stadt gibt sich für 2022 zuversichtlich

„Der Sachsen-Anhalt-Tag wird nicht ausfallen, sondern muss im Fall der Fälle verschoben werden“, heißt es noch einmal. Und weiter: „Daher können fast sämtliche Vorbereitungen auch bei einer Verschiebung genutzt werden.“ Zudem habe die laufende Kampagne zum Landesfest „bereits viel Aufmerksamkeit für Stendal und für die Altmark generiert und damit positive Auswirkungen“. Was das genau heißt, darauf geht die Rathaussprecherin nicht weiter ein. Stendal möchte den Sachsen-Anhalt-Tag nach 1997 ein zweites Mal ausrichten. Damals kamen offiziellen Angaben zufolge 250 000 Gäste. Stendal, Geburtsstadt von Johann Joachim Winckelmann, Begründer der wissenschaftlichen Archäologie, möchte sich nun erneut möglichst von seiner Schokoladenseite zeigen.

Großereignis kostet eineinhalb Millionen Euro

„60 Prozent der größeren Vorbereitungen sind erledigt“, schätzt Hellmuth nach Rücksprache mit den Verantwortlichen ein. Zu einem Landesfest gehören unter anderem ein größeres Kulturprogramm und ein Festumzug am Finaltag. Straßen und Plätze müssen hergerichtet sein, Elektroleitungen halten, Sanitäranlagen stehen, und, und, und. Inwieweit sich Menschenmassen frei zwischen Bühnen und Ständen bewegen können, bleibt abzuwarten. Die Stadt zeigt sich jedenfalls auf dem richtigen Weg. Kosten soll das Ganze übrigens eineinhalb Millionen Euro, inklusive Personalausgaben. Aus welchen Töpfen genau das Geld kommt, dazu gibt es in dieser Woche keine Angaben. Bekannt ist, dass die Stadt eine Rücklage gebildet hat und es einen erheblichen Zuschuss vom Land gibt.

Pandemieklausel bei den Akteuren

„Zum jetzigen Zeitpunkt beginnt die Flächenplanung und der genaue Ablauf des großen Festumzugs wird abgestimmt.“ Händler, Schausteller und weitere Akteure dürften längst in der Spur sein, jeder für sich und gemeinsam zur Großveranstaltung und jeder mit einer eigenen Einschätzung der Coronalage. Fallschlingen könnte es bis zum Juli einige geben. Das Rathaus gibt sich für alle Eventualitäten gewappnet. Hellmuth: „Eine Pandemieklausel ist in den jeweiligen Vereinbarungen enthalten. Das heißt, sollte die Veranstaltung nicht zum geplanten Zeitpunkt stattfinden können, kann der Vertrag auch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt werden.“ Im Klartext: Muss das Landesfest am ersten Juliwochenende 2022 tatsächlich gestrichen werden, sollen die Pläne spätestens zwei Jahre später aufgehen.

Kommentar von AZ Redakteur Marco Hertzfeld:
Sause gefährdet - Glaube allein reicht nicht
Politik und Verwaltung in Stendal üben sich in Zweckoptimismus. Und doch müssen die Verantwortlichen längst einen Plan B haben. Alles andere wäre auch fahrlässig, allein schon aus finanzieller Sicht. Klartext hilft: Dass der Sachsen-Anhalt-Tag Anfang Juli über die Bühne gehen kann, dafür sieht es unter den aktuellen Coronabedingungen nun einmal eher schlecht aus. Und das sollte auch so und nicht anders bei den Menschen ankommen. Zumal eine solche Großveranstaltung Planungssicherheit braucht und einen gewissen Vorlauf, erst etwas mehr als die Hälfte der Vorbereitungen soll erledigt sein. Und dennoch wäre dieses Stelldichein nach all dem Ärger ums Virus für viele doch eine so wichtige Vitaminspritze.

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