Börde-Aktion lässt Stadt aufhorchen – mehr aber auch nicht

Saatkrähe fest in der Rolandstadt eingenistet

Nur ein Teil der schwarzen Vögel, die spätestens seit Anfang März wieder im Herzen der Hansestadt brüten. Die Saatkrähen bauen ihre Nester bevorzugt in Platanen, der Bereich zwischen Westwall und Moltkestraße ist ein Schwerpunkt.
+
Nur ein Teil der schwarzen Vögel, die spätestens seit Anfang März wieder im Herzen der Hansestadt brüten. Die Saatkrähen bauen ihre Nester bevorzugt in Platanen, der Bereich zwischen Westwall und Moltkestraße ist ein Schwerpunkt.

Stendal – Der Einsatz einer Schallkanone gegen Saatkrähen in Wanzleben hat in der Altmark aufhorchen lassen. Mitarbeiter der Verwaltungen tauschten sich extra aus. Die Aktion auf dem Friedhof scheint auf den ersten Blick erfolgreich.

„Die Population konnte weitgehend zurückgedrängt werden“, fasst Stendals Rathaussprecher Armin Fischbach das Ergebnis aus der Börde zusammen.

Allerdings: Die Schreihälse sind offenbar nicht aus der Gegend verschwunden, sie haben sich einfach auf einem benachbarten Schulgelände niedergelassen. Die Saatkrähe brütet bevorzugt im besiedelten Bereich in Kolonien.

Noch immer ziemlich selten und deshalb geschützt: Zieht es Saatkrähen verstärkt in Städte und wächst eine Kolonie spürbar, sind Ärger und Unverständnis unter Menschen oftmals programmiert.

Das weiß auch ein Stadtsprecher, und der Kollege im Fachamt sowieso. Seit mindestens sieben Jahren dürften sich Behörden in der Kreisstadt bereits mit diesem Thema befassen müssen. Gerade während des Brutgeschäfts von März bis Mai sorgen die Vögel regelmäßig für Aufregung in Teilen der Stendaler Bevölkerung. Wo sie ihre Nester bauen, wird es laut und dreckig. Nistplätze dürfen selbst vor und nach der Brutsaison und an einzelnen Schwerpunkten nicht ohne Weiteres entfernt werden. Eine Ausnahmegenehmigung des Landesverwaltungsamtes müsste her. „Bisher wurde dies jedoch stets abgelehnt.“

Schüsse aus einer Schallkanone fallen in die Kategorie Vergrämung, auch sie muss genehmigt sein. Dass sich an der Marschroute in naher Zukunft etwa ändert, dafür stehen die Chancen nach wie vor eher schlecht. Nach Auffassung der Landesbehörde können Ausnahmegenehmigungen „nur im Einzelfall bei unzumutbaren Belastungen“ erteilt werden, erläutert Fischbach auf AZ-Nachfrage weiter. Auf dem Friedhof in Wanzleben habe die Verschmutzung der Gräber und Grabsteine demnach „ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß angenommen“. Kurzum: Stendal muss ohne Kanone klarkommen.

Wie viele Nester es mittlerweile in der Kreisstadt gibt, kann Fischbach nicht sagen. Die Nistplätze würden schlichtweg nicht überall und regelmäßig gezählt. Die Ironie des Ganzen: Die Saatkrähe kommt selten vor, sie wurde lange Zeit intensiv verfolgt. Vor etwa drei Jahrzehnten soll es auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Stendal kein einziges Brutpaar mehr gegeben haben. 2014 ging ein Ornithologe im AZ-Gespräch von gut 250 Paaren in östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel aus. Gesund sei der Bestand damit aber noch lange nicht. An der Einschätzung dürfte sich nicht viel geändert haben.

Die Herausforderung ist und bleibt, dass sich der Vogel vor allem auf Stendal konzentriert. „Die derzeitige Situation ist mit der in den Vorjahren als vergleichbar einzuschätzen. Oft genannte Schwerpunkte befinden sich in der Wendstraße, auf dem Friedhof, zwischen Westwall und Moltkestraße, im kleinen Ostwall sowie am Wernerplatz“, zählt Stendals Rathaussprecher auf. Die Saatkrähe nistet bevorzugt auf Platanen, Bäumen, die bis zu 50 Meter hoch sein können. Dort hinauf schafft es selbst Feind Waschbär kaum. Sie selbst lebt, wie ihr Namen schon vermuten lässt, überwiegend von pflanzlicher Kost.

Saatkrähen in einer gewissen Anzahl sind laut und nervig, unter den Nistbäumen sammeln sich Kot und anderer Dreck an. All das kann Fischbach nur bestätigen, er wohnt sogar an einem der Schwerpunkte. „Die Hansestadt wird im Falle von unzumutbaren Belästigungen erneut eine Ausnahmegenehmigung für etwaige besonders betroffene Bereiche beim Landesverwaltungsamt beantragen.“ Ob womöglich auch eine Schallkanone wie in Wanzleben gegen die schwarzen Vögel zum Einsatz kommen könnte, lässt der Stadtsprecher erst einmal offen. Für immer gänzlich ausgeschlossen scheint dies allerdings nicht.

Die Krähe hat sich beispielsweise zwischen Winckelmann-Gymnasium, Discounter und Polizeirevier fest eingerichtet, ja im wahrsten Sinne des Wortes fest eingenistet, und speist auf Feldern und in landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung. Nicht zuletzt im verstärkten Maisanbau sehen Vogelkundler den Grund für die Erholung dieser Art. Die Saatkrähe steht unter Naturschutz, ja gehört sogar zu den besonders geschützten Arten. Zur Wahrheit gehört für so manchen aber auch: Die subjektive Wahrnehmung, Verkehrslärm werde hingegen oftmals schon als selbstverständlich hingenommen. Und: Der Spuk ist mehr oder weniger auf drei Monate begrenzt.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare