Kleintierzüchter freuen sich auf „Haus der Vereine“ / Stadt sieht noch etliche Fragezeichen

„Saal für alle besonders reizvoll“

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Rassekaninchen und edles Geflügel, Chorsänger, Narren und andere mehr: Der Komplex könnte zum Haus der Vereine werden. Das recht marode Objekt müsste dafür zumindest aufgehübscht werden. Ein Teil des Aufgangs ist momentan gesperrt.

Osterburg. „Wir Kleintierzüchter würden uns dort pudelwohl fühlen. Auch für andere Osterburger Vereine wäre es wohl eine Supersache.“ 

Die Idee, den in absehbarer Zeit überflüssigen Verwaltungssitz an der Ernst-Thälmann-Straße zu einem Haus der Vereine umzufunktionieren, fällt bei Dieter Schott auf fruchtbaren Boden. „Der Saal ist für uns alle natürlich besonders reizvoll“, sagt der Rönnebecker, der die Kaninchenfreunde anführt und bei den Rassegeflügelzüchtern im Vorstand sitzt. Ein solches Domizil würde auch den Verlust der Musikmarkthalle mehr als wettmachen. „Wir haben den Thälmann-Saal Anfang der 90er-Jahre für eine Ausstellung schon einmal nutzen dürfen, dann nicht mehr. “.

Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz (CDU) hat den Gedanken Anfang des Jahres ins Spiel gebracht. Wann aus dem Komplex ein Haus der Vereine werden kann, hängt maßgeblich von der geplanten Zentralisierung der Stadtverwaltung ab. Die Ämter sollen in einem zur Burgstraße hin erweiterten Rathaus und, wenn aus Platzgründen nötig, im nahen Großen Markt 14/15 zusammengeführt werden. In der Musikmarkthalle, wo derzeit vor allem regelmäßig Kleintierausstellungen stattfinden, könnten sich künftig die Stadträte zu ihren Sitzungen treffen. Das alles ist allerdings noch reine Zukunftsmusik, obgleich die Diskussionen bereits laufen.

Vize-Bürgermeister Detlef Kränzel kann sich mit der Idee immer mehr anfreunden. Da aus der Musikmarkthalle nun wahrscheinlich keine Mensa werden kann und der Landkreis dank avisierter Stark-III-Fördermittel eine solche Einrichtung lieber selbst und auf dem Gelände seines Gymnasiums baut, habe ein Haus der Vereine durchaus seinen Reiz. Beim Tempo tritt Kränzel allerdings kräftig auf die Euphoriebremse: „Wir reden hier, wenn überhaupt, über 2019 und später.“ Früher dürfte ein großes Stühlerücken nur schwer möglich sein. Schließlich müsse das Nachbargebäude des Rathauses erst um- und ausgebaut werden. Die Arbeiten sollen in diesem Jahr beginnen. Ob das Vorhaben wie erhofft umgesetzt werden kann, hänge von etlichen Faktoren ab, von Wetter, Baupreisen, ausreichendem Fördergeld. „Wir hoffen natürlich, dass alles glattläuft“, so der biesestädtische Kämmerer im Gespräch mit der AZ.

Inwieweit die Ernst-Thälmann-Straße 10 erneuert werden muss und kann, dazu lasse sich derzeit noch nichts großartig sagen, meint Kränzel. Der Verwaltungskomplex gilt als ziemlich marode. Seit Jahren ist ob der Zentralisierungspläne kaum in den Standort investiert worden. Es gibt zahlreiche Büros. Im Saal tagen Stadtrat und Ausschüsse, auch einige Vereine und die Feuerwehr nutzen ihn schon jetzt. Würde die Stadt das Objekt gänzlich aufgeben, ginge ein wichtiger Treffpunkt verloren. „Wenngleich ich die Angst vor dem möglichen Verlust des angeblich einzigen großen Saals in Osterburg nicht ganz verstehe. Es gibt ja noch die frühere ,Radieschenbar’, die schon von einem Sportverein genutzt wird. Dort ließe sich vermutlich einiges für andere Interessierte absprechen und mit den Verantwortlichen vereinbaren.“

Von Marco Hertzfeld

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