„Tierschutz ist grenzenlos“

Rumänische Hündin schafft es in Coronazeit in die Altmark

Die Hündin in Rumänien nach ihrer Operation im Oktober 2019. Sie kämpft sich zurück ins Leben.
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Die Hündin in Rumänien nach ihrer Operation im Oktober 2019. Sie kämpft sich zurück ins Leben.

Stendal – Sie muss in Rumänien einiges durchgemacht haben. Nun ist die Hündin in der Altmark angekommen. Dabei drohte eine schnelle Hilfe im letzten Moment noch wegen der Coronakrise zu scheitern. Susanne Wieske in Tangermünde ist nur noch glücklich.

„Eigentlich werden bei diesen Übergaben Fotos gemacht, aber zur Einhaltung der Anordnungen blieb das auf der Strecke“, berichtet sie der AZ.

Sicherheitsabstand und Schutzmasken bei den Menschen statt Umarmungen aller Beteiligten, die Welt ist auch für Tierschützer seit Wochen noch einmal eine ganz andere. Freudentränen flossen später umso mehr. Osteuropäerin Greta hat in der Elbestadt ein neues Zuhause gefunden.

Greta wurde im Oktober vergangenen Jahres in völlig desolatem Zustand aufgefunden, fast verhungert, das Fell von Demodex-Milben zerfressen. „Sie lebte wahrscheinlich als Kettenhund bei einer Frau, kaum mit dem Nötigsten an Futter und Wasser, und wurde nach deren Tod ebenso lieblos von den Verwandten versorgt“, fasst die Elbestädterin zusammen, was sie erfahren hat.

Das Fell fehlt fast überall, ein erster Anblick 2019.

Rumänische Tierschützer hatten im Shelter (Obdach) des Vereins Germaines Herzensstreuner nahe Bukarest um Aufnahme für Greta gebeten. Obwohl mit 70 Hunden voll belegt, hätten die Tierschützer vor Ort einfach nicht nein sagen können. Wieske ist die Vorsitzende des Altmärkischen Tierschutzvereins Kreis Stendal, Träger des Tierheimes in der Stendaler Ortschaft Borstel.

Wie genau Greta zu ihrem Namen gekommen ist, muss erst einmal offenbleiben. „Das alte und kranke Mädchen wurde sofort medizinisch versorgt. Es wurden Tumoren an den Milchleisten und Gebärmutterkrebs gefunden und operativ entfernt“, hatte die Altmärkerin weiter aus Rumänien gehört. Ein völlig ausgehungerter Hund musste aufgepäppelt werden. Gretas Schicksal wurde über das Internet verbreitet.

„Dort stolperte ich Anfang März regelrecht über ihre Fotos und die Beschreibung. Obwohl dort für unwahrscheinlich viele notleidende Tiere um ein neues Zuhause gebeten wird, konnte ich ihren Anblick schlichtweg nicht vergessen und suchte sie direkt auf der Seite des Vereins.“

Susanne Wieske zeigt Greta die neue Heimat.

Die altmärkische Tierschützerin fand Videos, die Greta als katzenfreundlich zeigten. „Damit war es dann passiert.“ Der Vierbeiner aus Rumänien, mindestens zehn Jahre alt, hatte endgültig gesiegt. Wichtig zu wissen: Immerhin fünf Katzen, mit denen sich die Hündin möglichst gut verstehen sollte, leben bei Wieske. Nun musste sie nur noch ihren Mann Karol überzeugen. Schließlich gebe es auch in Deutschland genug Tiere in Not. Der Weg war geebnet. Sie sprach mit der Vorsitzenden, holte sicherheitshalber noch zusätzliche Informationen über den ihr bis dahin noch unbekannten Verein ein, fragte Freunde nach deren Erfahrungen mit solchen Vereinen und Auslandshunden.

Nach der in Deutschland üblichen Prozedur zur Vermittlung kam dann die Nachricht, dass die Tiere trotz Coronakrise und allen zusätzlichen Erschwernissen transportiert werden können. Noch einmal bange Stunden folgten, weil sich durch Corona immer wieder Änderungen ergaben.

Die Tangermünderin hätte auf ihren Schützling auch länger gewartet und ihn nicht vergessen. „Aber dann war sie endlich da, die Greta.“ Erste eigene Fotos entstanden, von Spaziergängen und daheim. Welcher Rasse sich Greta mehr zuordnen lässt, ist zumindest auf den ersten Blick nicht erkennbar. Tierschützerin Wieske dürfte das auch in diesem Fall völlig egal sein. Die Mischlingshündin habe ihr Herz erobert, ohne das der Verstand versage.

„Es hätte genauso gut ein deutscher Hund werden können, das war absoluter Zufall.“ Wobei: Die Adoption eines Auslandstieres erfordere im Vorfeld doch weitaus mehr Recherche. „Dies unbedingt auch machen, leider gibt es zu viele schwarze Schafe, die mit dem Leid von Tieren und dem Mitgefühl der Menschen nur Geld, viel Geld, verdienen wollen“, rät die Altmärkerin.

In deutschen Tierheimen könne man seinen Wunschkandidaten in der Regel persönlich kennenlernen, durch Besuche schon eine erste Bindung aufbauen, das gehe bei einem Auslandstier oftmals nicht. „Es war für uns nur eine Entscheidung für Greta. Und die haben wir nicht bereut. Tierschutz ist eben grenzenlos, im Herzen und manchmal auch in der Entfernung.“

VON MARCO HERTZFELD 

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