Ruhe, Ton ab, Kamera läuft

Wolfgang Schröder spielt Kalle, einen pensionierten Polizisten. In diesem Szenen-Moment schnauzt er gerade den Wirt (Rüdiger Knirsch) an, dass der Kaffee immer kalt sei.

Lüderitz - Von Alexander Postolache. Stück für Stück baut sich der Kurzfilm mit dem Titel „Kalter Kaffee“ auf. Einzelne Szenen wurden am Wochenende gedreht, große Datenmengen gespeichert, verschiedene Blickwinckel mit der Kamera eingefangen. Allein am Sonnabend war das Team um Regisseur Rico Dietzmeyer von 8 Uhr bis kurz vor Mitternacht bei der Arbeit.

„Vergiss niemals, wie schön das Leben ist!“ Eine Aussage, die absurd erscheint, betrachtet man jenen, der sie ausspricht. Für Kalle scheint das Leben nicht mehr mit Schönheit erfüllt zu sein. Der Besuch seiner Stammkneipe scheint der einzige Halt in seinem Rentnerdasein. Das demonstrative Umrühren kalten Kaffees, den er alltäglich serviert bekommt, wird zur Routine.

Wolfgang Schröder spielt Kalle. Eigentlich raucht er nicht. Doch in seiner Rolle als pensionierter Polizist muss er die ein oder andere Zigarette zur Qualmproduktion bringen. So auch an jenem Drehtag, als er, dem Tode nah geschminkt, eine übersinnliche Begegnung mit „Kalles Frau“ darstellt. Probedurchläufe werden gemacht. „Ruhe bitte“, ruft Aufnahmeleiter Tim Hartel, wartende Schauspieler und weitere fleißige Helfer am Set müssen in den Nebenräumen still sein, was besonders für Ton-Mann Markus Brandt von Bedeutung ist. Das Balian Produktionsteam befindet sich in Lüderitz. Weitere Wochenenden stehen in einer leerstehenden Kneipe an. „Stadt Berlin“ steht ist noch zu lesen. An der Wand des Schankraumes hängen nicht nur Geweihe und eine große Pendeluhr. Ein vergilbter Zeitungsartikel und Preislisten informieren über „Tante Selma“, die auch noch mit 83 Jahren Bier gezapft habe. „Ein Bier (0,25 Liter) kostet bei ihr eine Mark.“

Ein Kulisse, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Genau richtig, um einen Film zu drehen, der vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren seinen Handlungszeitraum findet. Manfred Zerbe stellt den Kunstschaffenden dieses ehemalige Gaststättengebäude zur Verfügung.

Wer auf der Straße der Freundschaft unterwegs ist, ihr fast bis zum Ende folgt, sieht ein übermenschlich großes Gebilde aus Scheinwerfern und Folien. Jene machen die Nacht zum Tag – gewollt. Denn die Szenen spielen laut Drehbuch oftmals in den Vormittagsstunden. Licht ist ohnehin ein wichtiges filmisches Element, auf das nicht nur Regisseur Rico Dietzmeyer achtet, sondern auch Kameramann Tjark Nieber ein Auge hat. Während am Set, der Schankstube, zur nächsten Einstellung umgebaut wird, ist Sophie Uhrmeister schon im Nebenzimmer damit beschäftigt, für die Nebendarsteller Jens Beutel, Helmut Höhne und Benno Heis neue Klamotten herauszusuchen. Beim ein oder anderen muss auch noch mal Schminke aufs Gesicht. In der funktionierenden Küche sind weitere Crew-Mitglieder dabei Kaffee zu kochen. Der ist heiß und für jene gedacht, die noch einige Stunden für das Gelingen des Films am Set schufften müssen, freiwillig zum Erfolg beitragen wollen.

Wer Näheres über den Film erfahren möchte, oder auch das Team unterstützen möchte, schreibe an: balianfilms@googlemail.com.

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