Berufungsprozess gegen Urteil des Amtsgerichtes

Den Rücken an der Wand

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Die Anwälte Gernot Huwald (l.) und Sven Tamoschus stehen Daniel W. zur Seite, welcher jenes Urteil auf Schmerzensgeld nicht akzeptiert, welches am Amtsgericht gesprochen wurde. Foto: Klos

xp Stendal. In Handschellen wird Daniel W. gestern in den Saal 121 des Stendaler Landgerichts geführt. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Sven Tamoschus, bittet Richter Gundolf Rüge darum, diese entfernen zu lassen.

Der Verurteilte sei ja schließlich nicht das erste Mal vor Gericht und wisse sich zu benehmen. Einer der beiden Begleiter aus dem Maßregelvollzug Uchtspringe zieht den passenden Schlüssel aus der Tasche und nimmt die die Bewegung einschränkenden Stahlringe ab.

Aus dem Gericht

Die Anwälte Gernot Huwald (l.) und Sven Tamoschus stehen Daniel W. zur Seite, welcher jenes Urteil auf Schmerzensgeld nicht akzeptiert, welches am Amtsgericht gesprochen wurde.

Umgangssprachlich würde man von einem langen Kerbholz sprechen, geht es um die Taten der Vergangenheit. Richter Rüge liest in diesem Berufungsprozess auch die Delikte der quasi ersten Stunde vor. Nicht alle Gerichtsverhandlungen endeten in einer Strafe oder einem Urteil. Doch musste sich der gebürtige Bernburger seit 1992 in Sachen versuchter Körperverletzung, Diebstahl, mehrfachem Fahren ohne Fahrerlaubnis, Beleidigung, Betrug, Missbrauch des Notrufes, Geiselnahme, versuchter räuberischer Erpressung und Bedrohung verantworten. Das Urteil, für das W. aktuell beim Landgericht einsteht, sprach zuvor das Amtsgericht im März des vergangenen Jahres aus. Dabei habe er von einem anderen Insassen des Maßregelvollzugs in Uchtspringe unter Gewalteinfluss 3000 Euro gefordert. Die beiden Männer sollen sich bereits 2006 kennengelernt haben. W. habe dem Kläger einst 15 Euro geliehen, diese jedoch nie zurückerhalten.

Wie Rüge dem Protokoll entnahm, sollen sich die zwei Männer zufällig auf dem Flur nahe der örtlichen Ergotherapie getroffen haben. W., Jahrgang 1975, habe den Schuldner gepackt und den Arm so gegen den Hals des Geschädigten gedrückt, dass dieser mit dem Rücken an der Wand, kaum noch Luft bekommen habe. Dabei soll die Forderung nach Geld ertönt sein.

1000 Euro hatte der Gewürgte vor dem Amtsgericht an Schmerzensgeld gefordert. 500 wurden ihm zugesprochen. W. bekommt 213 Euro EU-Rente. Ob der Mann mit attestierter schwerer Störung im Sozialverhalten und kombinierter Persönlichkeitsstörung nach Alkohol- und Drogenmissbrauch schuldfähig war, sollen weitere Prozesstage klären.

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