Tatverdächtiger steht Mitte Januar vor Gericht / Metallklau nimmt wieder zu

Rose vom Stein gebrochen: Friedhofsdieb angeklagt

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Ein Rest: Langfinger haben die Rose einfach aus dem Stein herausgebrochen. Die betroffene Familie vermutet, dass dafür ein Meißel oder ähnliches Werkzeug eingesetzt worden ist.

Calberwisch / Stendal. Buntmetalldiebe machen selbst vor einem Grab nicht halt. Mitte Januar wird ein Thomas W. vor Gericht stehen, der vor sechseinhalb Monaten auf dem Friedhof in Calberwisch eine kolorierte Rose von einem Grabstein abgebrochen und mitgenommen haben soll.

Auch eine etwa 25 Zentimeter große Vase aus Bronze fehlte.

Der Fall sorgte für Empörung in der Bevölkerung, auch weit über den Düsedauer Ortsteil hinaus. Nach einem Bericht in der AZ Ende Mai und möglichen Hinweisen von Bürgern kam die Polizei auf die Spur des Tatverdächtigen.

Die Tochter der Toten stand damals fassungslos und mit Tränen in den Augen vor dem Grab. Sie vermutete Neid oder blinde Zerstörungswut hinter der Tat. Dass Langfinger den Friedhof gezielt nach Brauchbarem abgesucht hatten, konnte sie sich nicht wirklich vorstellen. Worin die genauen Beweggründe des Mannes lagen, auch das hat das Amtsgericht Stendal am 20. Januar zu klären. Die Mutter war im Oktober 2012 gestorben, kurz vor ihrem 83. Geburtstag. Der Grabstein wurde witterungsbedingt später gesetzt. Rose und Vase waren schon kurz danach gestohlen.

Was die altmärkische Familie immer noch tieftraurig macht, nennen die Juristen einfachen Diebstahl. „Eine solche Tat kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe belegt werden“, erklärt Dr. Michael Steenbuck, Pressesprecher am Landgericht in Stendal, auf Anfrage der AZ. Das Strafgesetzbuch kenne darüber hinaus auch die Störung der Totenruhe beziehungsweise die bewusste Zerstörung oder Beschädigung einer Grabstätte. Bei einer solchen Tat droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Eine aktuelle Nachricht passt zum Thema: Die Zahl der Buntmetall- und Schrottdiebstähle in Sachsen-Anhalt ist wieder angestiegen. Das Landeskriminalamt in Magdeburg hat für 2013 bereits rund 1370 Fälle gezählt, das sind 9,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für Metall zahlen Händler einen guten Preis.

Von Marco Hertzfeld

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