Von Woche zu Woche

Die Rivalität ist lange verjährt

Stendal ist Fußballstadt – die FCM-Fans werden am Sonntag mit dem Club um den Aufstieg in die dritte Liga fiebern, während die Anhänger des Halleschen FC hoffen, dass die Magdeburger beim Relegationsrückspiel gegen die Offenbacher Kickers untergehen.

Wie sehr sogenannte „Ultras“ den 1. FC Magdeburg hassen, ist im Stendaler Straßenbild immer wieder an den üblen Schmierereien zu sehen.

Es ist kein Geheimnis, dass einige Stendaler mit den Fußballern aus der Landeshauptstadt hadern. Diese uralte Feindschaft rührt aus tiefen DDR-Zeiten her, als der 1. FC Lok Stendal seine hoffnungsvollsten Talente nach Magdeburg abtreten musste. Lok war eine sogenannte „Fahrstuhlmannschaft“. Namen wie Abraham und Hermann werden den Älteren noch im Gedächtnis sein. Beide waren Hoffnungsträger bei Lok und gingen nach Magdeburg. Den älteren Rolandstädtern ist sicherlich auch noch präsent, dass Lok Stendal und der 1. FC Magdeburg vor Jahrzehnten gemeinsam in der Oberliga gespielt haben.

Apropos Oberliga. Erinnerungen an die höchste DDR-Fußballklasse kommen bei dem Gedanken daran auf, was passiert, wenn der FCM den Aufstieg morgen in Offenbach tatsächlich schafft. Dann würden die Magdeburger Kicker gemeinsam mit den Ost-Clubs Halle, Rostock, Erfurt, Cottbus, Dresden, Chemnitz und Erzgebirge Aue in der dritten Bundesliga spielen. Ein bisschen angst und bange kann einem dabei schon werden. Denn diese Aufeinandertreffen bergen Zündstoff.

Von Stendal nach Magdeburg ist es eine Autostunde, mit dem Zug gehts noch schneller. Allein die regionale Nähe zur Landeshauptstadt bringt dem FC Magdeburg die Sympathien der Stendaler ein. Die alte Feindschaft zwischen Lok und FCM ist Geschichte und lange verjährt. Heute entscheiden junge Talente selbst, wo sie spielen, und wenn sie gehen, ist ihnen das auch nicht zu verdenken. So ist Fußball eben – eine Frage des Könnens, Wollens und Ehrgeizes und eben auch eine Frage des Geldes.

Das Bild hat sich gewendet. Stendal hat natürlich in erster Linie Sympathien für den Verbandsligisten 1. FC Lok, dessen Vorgänger BSG Lok in den 1950er und 1960er Jahren mit seiner Fußballmannschaft in der höchsten DDR-Fußballklasse Oberliga spielte. Morgen fiebert Stendal für den FCM. Drücken wir die Daumen!

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturfoto

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