„Rieke“ Kober gibt Gas

Die beiden Biker „Rieke“ Kober (74) und Christian Zocher (37) starteten vorgestern in Hanau, um ein Wochenende in Kobers alter Heimatstadt zu verbringen. Foto: Kuhn

Stendal/Hanau. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ In Motorrad-Kluft stand gestern Richard Kober in der AZ-Redaktion, während draußen ein Wolkenbruch niederging. Der 74-jährige, gebürtige Stendaler, brach am Donnerstag zusammen mit Christian Zocher (37) in Hanau/Main zur gut 500 Kilometer-Tour auf, um Zocher seine Heimat zu zeigen. Dass er dabei für den Wochenendtrip das Motorrad nutzt, war für den Fleischermeister selbstverständlich. „Es bedeutet für mich Freiheit“, erzählte er, „ich muss Gas geben.“

Erst mit 43 Jahren hat der Vater zweier Töchter den Motorradführerschein gemacht. Seitdem rund 250 000 Kilometer auf zwei Rädern zurückgelegt. Und die Töchter sowie das Motorradfahren waren es auch, die ihn über den Tod seiner Frau vor drei Jahren hinweghalfen: „Das hat mich umgehauen.“

Das Licht der Welt erblickte Kober 1937 in der Winckelmannstraße 14. Dort hatten seine Eltern Frieda und Richard Kober eine Metzgerei. Und in der Rolandstadt wuchs er zusammen mit seiner Schwester Marlis und Bruder Heinz auf. Im elterlichen Betrieb lernte er ab dem 14. Lebensjahr das Fleischerhandwerk, das er bis heute ausübt. Als sein Vater den Betrieb 1956 schließen musste, „bin ich abgehauen“, erzählte der Ex-Stendaler, der vor Ort auch als „Rieke“ bekannt war. Offenbach, die Schweiz, Wallbach waren die nächsten Stationen in seinem Leben bis 1964. In Wallbach lernte er seine Frau kennen, machte dort 1961 seinen Meister. 1964 übernahm er in Hanau an der Metzgerstraße eine Fleischerei, die heute Tochter Sabine Kober führt.

Während er in Hessen fest verwurzelt ist, führt es ihn immer wieder nach Stendal. „Ich hatte Tränen in den Augen“, so Kober, als er 1991 erstmals nach Stendal zurück kam. Der Verfall habe ihn schockiert. Heute freue es ihn, wie sich die Stadt entwickelt hat, zeigt Zocher mit gewissem Stolz seine Heimatstadt.

Von Matthias Kuhn

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