Elf Normal- und zwei Schnellladepunkte

Region sucht passenden Stecker: Kaum Ladestationen für Elektroautos im Kreis Stendal

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Die 100. Ladesäule Deutschlands ist im Januar 2017 in Betrieb genommen worden. Alexander Dobrindt (CSU), damals Bundesverkehrsminister, hantiert in Augsburg an der Säule. Im Landkreis Stendal ist noch nicht viel passiert.

Stendal – Den richtigen Anschluss hat der Landkreis Stendal noch nicht gefunden. „Die Ausstattung mit öffentlich zugänglichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge ist gering“, weiß Peter Mennicke, Sprecher des Verkehrsministeriums, auf Nachfrage der AZ.

Gerade einmal elf Normalladepunkte und zwei Schnellladepunkte, vor allem in der Kreisstadt Stendal gelegen, seien bekannt.

Daran ändert auch der weitere Bau der Autobahn 14 in Sachen-Anhalt für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erst einmal nichts. Noch droht die viel beschworene Elektromobilität in der Altmark auf der Strecke zu bleiben. Von Magdeburg durch die Landkreise Börde und Stendal bis zur Landesgrenze nach Brandenburg sind es immerhin mehr als 100 Kilometer.

Die Raststätten der „Tank & Rast Gruppe“ an anderen Autobahnen im Land sind mit Ladepunkten ausgestattet worden, in Koordination mit dem Bund. In Magdeburg geht man davon aus, dass auch die Raststätten entlang der verlängerten A 14 diese Technik bekommen.

Eine Tank- und Rastanlage der Gruppe entsteht laut Mennicke zwischen Colbitz und Dolle. Der Tiefbau für den Komplex beginnt voraussichtlich Ende dieses Jahres, der Bund bezahlt. Raststätte und Tankstelle werden jeweils über einen Konzessionsvertrag errichtet und betrieben. Für Erstgenannte erfolge die Ausschreibung wohl erst bei durchgehender Befahrbarkeit der A 14 bis Schwerin. Einen Investor gebe es noch nicht.

Ladestationen für Elektrofahrzeuge zu errichten und zu betreiben, sei nicht Sache des Staates. Die Infrastruktur unterliege wie die für Diesel- und Benzinkraftstoffe den Akteuren der Privatwirtschaft im freien Wettbewerb. Der Staat müsse allein gewährleisten, dass E-Fahrzeuge in europäischen Verkehrsnetzen unterwegs sein können.

Mennicke erinnert an das sogenannte Ladeinfrastrukturkonzept der Landesregierung, auf den Monat genau vor einem Jahr beschlossen. Stichwort: Grundversorgung. Das ambitionierte Ziel: Alle 30 Kilometer soll es einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt geben. Von jedem beliebigen Ort aus müsse innerhalb von 15 Minuten mit dem Pkw ein Ladepunkt zu erreichen sein.

Aktuell werden 406 Ladepunkte in Sachsen-Anhalt betrieben. „Bis zum Jahr 2020 werden jedoch 1300 Ladepunkte benötigt.“ Ein „Hochlaufszenario“ gehe von einer halben Million baterieelektrischen Fahrzeugen in Deutschland aus. Sachsen-Anhalt fördert den Ausbau der Ladeinfrastruktur, erst kürzlich gab es einen zweiten Aufruf.

„Gerade weil der Landkreis Stendal über eine geringe Ausstattung verfügt, sollten dort die Möglichkeiten besser ausgeschöpft werden“, meint der Ministeriumssprecher. „Die Unternehmen und Kommunen haben es in der Hand, ihren Landkreis elektromobil zu machen.“ Anträge können noch bis 30. April gestellt werden. Bewilligungsbehörde ist die Nahverkehrsservice Sachen-Anhalt GmbH, kurz Nasa.

Das Elektrofahrzeug sei selbst bundesweit noch längst nicht in der Erfolgsspur. „Es bleibt bislang hinter den Erwartungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zurück.“ Die geringe Anzahl von E-Fahrzeugen sei nicht Anreiz genug, öffentliche Ladestationen zu schaffen, was wiederum die Bereitschaft zur Anschaffung solcher Autos mindere.

Mennicke spricht von einem „Henne-Ei-Problem“. Das Land möchte raus aus dieser Zwickmühle und will allein dieses Jahr eineinhalb Millionen Euro Fördergeld für zusätzliche Ladepunkte ausgeben. Längeres Reisen mit dem Elektro-Fahrzeug müsse möglich werden. Der Hintergrund der Offensive: Antriebe mit alternativer Energiequelle könnten Deutschland helfen, die Klimaschutzziele zu erfüllen.

VON MARCO HERTZFELD

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