Arneburg-Goldbeck: Neues Amt „gegründet“

Reform in der Gemeinde-Verwaltung: „Das wird Diskussionen hervorrufen“

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Aus drei mach eins: Im neuen Verwaltungsbereich „Bürger-Service“ sind die früheren Ämter für Ordnung, Einwohnermeldewesen und Bau zusammengefügt.

Arneburg-Goldbeck – Fast eineinhalb Jahre nach dem Auftrag an ein Magdeburger Beratungsunternehmen für den Umbau der Verwaltung Arneburg-Goldbecks hat Verbandsgemeinde-Bürgermeister René Schernikau (parteilos) Montagabend für viele überraschend den Beginn des ersten Teils seiner Ämterreform verkündet.

„Wir haben am 1.  März den Bürger-Service gegründet“, erklärt der Möllendorfer in der ersten Sitzung des obersten Parlaments seines Zuständigkeitsgebiets im neuen Jahr.

Der neu geschaffene Amtsbereich vereine drei bislang eigenständige Abteilungen. Zusammengeführt im Ressort „Bürgerdienste“ werden demnach das Ordnungsamt, das Einwohnermeldeamt und der Bereich „Gemeindeentwicklung“, der bisher als Bauamt bezeichnet worden ist. Geleitet werde das neue Amt von Schernikaus Stellvertreterin Simone Kuhlmann, die bislang als Leiterin des Bauamts tätig war.

Es werde aber noch weitere Änderungen in der Struktur der Verwaltung der Verbandsgemeinde geben, kündigt Schernikau vor 16 der 20 Ratsmitglieder Arneburg-Goldbecks an. Welche Änderungen dies seien und wann diese erfolgen sollen, lässt er offen. Dennoch prophezeit der Verwaltungschef zu Beginn seines dritten Dienstjahres, dass demnächst folgende Neuerungen jedenfalls noch „mehr Diskussionen hervorrufen“ würden, als es die Einführung des neuen Bereichs „Bürger-Service“ mit sich bringe.

Künftig solle jeder Mitarbeiter in den Verwaltungsstandorten Goldbeck und Arneburg wissen, welche Aufgaben er zu erfüllen habe. Schernikau nannte in diesem Zusammenhang den Begriff „Beantwortungsmatrix“ als ein mögliches Instrument für die Arbeit der Belegschaft.

Das Studieninstitut für kommunale Verwaltung Sachsen-Anhalt (Sikosa) hatte für rund 60.000 Euro eine Stellenbewertung und Verwaltungsstruktur-Analyse vorgenommen. Als die Magdeburger im September 2017 zur Tat schritten und ein Jahr darauf insgesamt sechs Workshops für die Mitarbeiterschaft veranstalteten, zählte Arneburg-Goldbecks Verwaltung insgesamt rund 36 Vollzeitstellen.

Als es ab Mitte vorigen Jahrs für etwa ein Dutzend Mitarbeiter durch sogenannte Höhergruppierungen mehr Geld geben sollte, kam Streit im Verbandsgemeinderat auf. „Stellenbeschreibungen haben bei der Verbandsgemeinde und ihrer Rechtsvorgänger bisher nicht oder nur ganz wenigen Einzelfällen existiert“, argumentierte der Verbandsgemeinde-Chef seinerzeit. Und kritisierte: „Eingruppierungen wurden aus dem Bauch heraus durchgeführt.“

Es sei sein Ziel, die Struktur in den Büros der Verwaltung von einer personengebundenen zu einer sachbezogenen Organisation umzugestalten. „Der Ausfall einer Person darf Prozesse nicht zum Stillstand zwingen“, nannte Schernikau bei einer kritischen Debatte im Stadtrat in Werben ein Beispiel.

Dies wolle er mit mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter anstelle von Detailanweisungen erreichen. Ziel sei außerdem eine effiziente Aufbau- und Ablauforganisation sowie der rationelle Einsatz des Personals. Auch eine „Privatisierung bestimmter Aufgabenfelder“ hat der Möllendorfer für seine Verwaltungsreform ausdrücklich angekündigt.

VON ANTJE MAHRHOLD

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