Digital der Arbeit nachgehen

Raum für Pendler: Co-Working-Space in der Kreisstadt Stendal

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Co-Working-Space wäre auch denkbar in Stendal. Martin Mertens möchte die Idee mittelfristig umsetzen.

Stendal – Sie mögen die Arbeit in einem Büro nicht? Sie wollen aber auch nicht zu Hause arbeiten? Dann ist vielleicht ein Co-Working-Space etwas für Sie.

Da steht ein Schreibtisch bereit, da kommt man mit anderen Menschen ins Gespräch, die vielleicht als Kunden oder gar als Partner in Frage kommen.

Da gibt es schnelles Internet und einen Drucker. Klingt alles nach Berlin-Mitte? Nein, sagt ein Stendaler, der die Idee mittelfristig in die Kreisstadt holen will, in seiner Funktion als Stadtrat, als Mann, der im Digitalen zu Hause ist und als jemand, der für die Region neue Ideen entwickeln will.

Martin Mertens, 35 Jahre alt, als Chef einer Werbe-Agentur in der digitalen Welt – aber auch in Stendal – zu Hause. Er will die Möglichkeit des öffentlichen Arbeitsplatzes in den ländlichen Raum bringen. Hat er denn selbst Erfahrungen mit Co-Working-Spaces? „Ja, selbst in Berlin zum Arbeiten, was sehr, sehr angenehm ist, weil ich diese Café-Atmosphäre und dieses mit Menschen zusammensitzen – und man kommt dann doch schon ins Gespräch zu verschiedenen Themen – was ich sehr mag.

Es gibt Menschen, die gehen gern ins Büro, erledigen ihre Arbeit umringt von Kollegen. Es gibt Menschen, die arbeiten in dieser digitalen Welt gern in einem Café umringt von fremden Menschen. Und es gibt Menschen, die nutzen „Co-Working-Spaces“ – Orte, die die Vorteile beider Welten zusammenbringen sollen. „Es ist nicht mehr so einfach zu sagen, ich hab da ein Büro und da sitze ich und dann gehe ich wieder. Sondern: Arbeiten hat doch irgendwie was mit Kultur zu tun. Da spielt ein guter Kaffee eine Rolle, da spielt auch ein gastronomisches Angebot eine Rolle. Eine Nähe zur Stadt, die ist hier aber immer schnell gegeben, denke ich. Nur ein Büro ist es heute eben nicht mehr“, meint Mertens.

Anwälte, die am Landgericht einen Fall betreuen, Ingenieure, die für ein paar Wochen ein Projekt in der Altmark begleiten – für sie und andere Fachkräfte soll ein „Co-Working-Space“ interessant sein. Dann, wenn die Auftraggeber keine freien Schreibtische vor Ort haben. „Pendlerverkehr ist ja ein Riesenthema bei uns in der Region. Und wir haben tagtäglich zwölf-, 15-tausend Pendler, die rein oder rauspendeln. Also versuchen wir dem irgendwie Herr zu werden. Und dadurch kommen solche Gedanken dann irgendwie zum Tragen.“

Die Nachbarn im Wendland machen es vor. In Lüchow gibt es so einen gemeinschaftlichen Arbeitsraum in einer Ladenzeile. Sie ist beispielsweise Arbeitsplatz für eine Fotografin, die kein eigenes Studio unterhalten möchte. Ein WC und eine Küche stehen dort zur Verfügung. Die Möbel können genutzt und sogar gekauft werden. Denn: Sie sind Teil einer Ausstellung.

VON ALEXANDER KLOS

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