Betrunkener 47-Jähriger überfällt Stendaler Tankstelle

490 Euro Beute: Raubüberfall mit 2,6 Promille

Stendal. Wegen eines Überfalls auf eine Tankstelle im Februar vergangenen Jahres muss er sich seit gestern vor dem Stendaler Landgericht verantworten.

Doch geht es nach dem 47-jährigen Angeklagten, soll die Kassiererin die Beute von knapp 500 Euro freiwillig rausgerückt haben.

Aus dem Gericht

„Mir ist die Flasche vor der Kasse runtergefallen. Die hat mir dann die Geldscheine gereicht. Ich hab die bloß zusammengeknüllt und bin los“, so der Beschuldigte. Die Vorsitzende Richterin Simone Henze-von-Staden bezeichnete diese Aussage als „ein bißchen realitätsfremd“. Mit stolzen 2,62 Promille im Blut soll der 47-Jährige die Stendaler Tankstelle an jenem Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr betreten haben. So schildert die Mitarbeiterin, eine 20-jährige Auszubildende, den Tathergang. „Er hat die Flasche auf den Tresen gestellt und sie festgehalten. Ich wollte sie ihm abnehmen und einscannen, habe dann aber losgelassen, weil mir das zu blöd war“, berichtet die Zeugin.

Daraufhin habe der alkoholisierte Beschuldigte die Flasche mit einer ausholenden Handbewegung auf dem Fußboden zerschlagen und sie mit dem abgebrochenen Flaschenhals bedroht. Mit den Worten „Geld her!“ habe er die Herausgabe der Kasse gefordert. Nachdem die Mitarbeiterin das Schubfach mit Scheinen und Münzgeld auf den Tresen gestellt habe, soll er sich mit den Worten „Das Kleingeld kannst du behalten“ die Scheine im Wert von 490 Euro in die Jackentasche gesteckt haben. „Keine Polizei“, habe er auf dem Weg nach draußen noch mehrmals gesagt.

Zusammen mit dem Angeklagten soll ein weiterer Mann die Tankstelle betreten haben, auch er wurde gestern von Henze-von-Staden vernommen. Der 30-jährige Stendaler kenne den Angeklagten aus einer Obdachlosenunterkunft, wo beide zwischenzeitig lebten. Am Tattag hätten beide Männer ab elf Uhr beim Stiefvater des Angeklagten Bier und Wodka konsumiert, bevor sie sich in Richtung Tankstelle aufgemacht hätten. „Ich habe ganz schön Frust gehabt an diesem Tag“, beschreibt der Angeklagte seine Stimmung. Der 30-jährige Zeuge gibt zur Sache an: „Runtergefallen ist ihm die Flasche nicht, er hat sie zerschlagen.“ Er habe das Geschehen aus einer anderen Ecke des Kassenraumes beobachtet. Der Beschuldigte soll der Mitarbeiterin die abgebrochene Flasche an den Hals gehalten haben. „Da hat nicht mehr viel gefehlt“, so der 30-Jährige.

Nachdem der Beschuldigte den Kassenraum verließ, habe die Mitarbeiterin den Zeugen gebeten, bis zum Eintreffen der Polizei vor Ort zu bleiben. Die Polizei griff den Angeklagten in der unmittelbaren Umgebung der Tankstelle auf. Der Prozess wird am Dienstag, 12. April, fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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