Zoo-Chefin sieht Tier in freier Wildbahn

Raubkatze in der Altmark? Luchs bereits auf dem Sprung

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Raubkatze ganz in Familie: Im Stendaler Zoo hat es über die Jahre regelmäßig Nachwuchs gegeben.

Stendal – „Wenn er kommt, dann leise und nicht mit einer Begleitkapelle wie der Wolf.“ Dass der Luchs aus dem Harz irgendwann dauerhaft auch die Altmark erreicht, hält Stendals Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze nicht für ausgeschlossen.

„Diese mittelgroße Katze werden wir in freier Wildbahn vielleicht sogar erst gar nicht bemerken.“ Im Mittelgebirge haben die Luchse immer weniger Platz, manche schlagen sich sogar bis Bayern durch.

90 Raubkatzen streifen derzeit durch den Harz, wie schon Ende Dezember vermeldet. Freie Reviere werden knapp. Vor allem Jungtiere erobern sich Gebiete, die außerhalb des Mittelgebirges liegen. Unter anderem seien Luchse schon in Nordhessen aufgetaucht, wie Ole Anders, Leiter des Luchsprojektes beim Nationalpark Harz, im Landesjagdbericht schreibt. Vor einiger Zeit habe es ein Tier sogar bis in die Altmark geschafft.

Anne-Katrin Schulze, Zoo-Leiterin in Stendal.

Aus Telemetriestudien, bei denen einzelne Tiere mit Sendern versehen werden, sei bekannt, dass Luchse auch waldarme Gegenden durchwandern und dabei so manches Hindernis überwinden. Das berichtete ein Sprecher des Landesamtes für Umweltschutz in Halle der AZ bereits vor zwei Jahren. Im nördlichen Sachsen-Anhalt fände das Raubtier recht gute Bedingungen vor. Zwischen Harz und Altmark liegen vielleicht 150 Kilometer.

Der Eurasische Luchs, auch Nordluchs genannt, wurde lange Zeit scharf verfolgt und war Mitte des 20. Jahrhunderts in Westeuropa so gut wie ausgerottet. Nach und nach wanderten einige insbesondere von Osten her wieder ein, andere wurden gezielt neu angesiedelt. Das Luchsprojekt im Harz gilt unter Naturschützern als Erfolgsgeschichte. Von dort heißt es, dass der Luchs auf der Suche nach neuem Lebensraum weiterhin eher nach Süden denn nach Norden wandere.

In der Altmark befinden sich Luchse in Menschenhand. Im Wildpark in Weißewarte und im Stendaler Zoo leben Luchse im Gehege. Das Paar im Zoo hat regelmäßig für Nachwuchs gesorgt. Schulze: „Das Weibchen zählt mittlerweile 17, 18 Jahre und ist zu alt dafür.“ An einem besonderen Programm zu Zucht und Auswilderung sei die Stendaler Einrichtung übrigens nicht beteiligt. Bei Europäischem Nerz und Steinkauz ist das der Fall.

In freier Wildbahn soll es europaweit schätzungsweise wieder circa 7000 Exemplare geben. Inwieweit die Raubkatze dauerhaft in altmärkischen Revieren willkommen wäre, müsste sich erst einmal zeigen. Angesichts der heftig geführten Diskussion um einen anderen Rückkehrer, den Wolf, dürfte der Luchs vermutlich in ähnlicher Weise die Meinungen spalten. Auch der Luchs gehört in Deutschland zu den streng geschützten Arten.

VON MARCO HERTZFELD

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