Alt-Landrat glaubt an den Genossen

Puhlmann kann nach Miesterfeldt zweiter SPD-Mann an Kreisspitze werden

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Patrick Puhlmann (SPD) schaut sich am Wahlabend erste Ergebnisse an. Für ihn läuft es.

Stendal – „Er hat offenbar einen sehr guten Wahlkampf gemacht.“ Gerhard Miesterfeldt, der bislang einzige Stendaler Landrat mit SPD-Parteibuch nach dem politischen Umbruch in Ostdeutschland, sucht erst gar nicht nach den ganz großen Erklärungen.

Der Sieg des Genossen Patrick Puhlmann sei auch für ihn „ziemlich überraschend“ und „auch deshalb umso erfreulicher“.

Warum Amtsinhaber Carsten Wulfänger (CDU) in der ersten Runde das Nachsehen hatte, darüber kann und will der Barlebener im Gespräch mit der AZ nicht spekulieren. „Dafür bin ich zu weit weg. “ Aber natürlich habe er die Entscheidung am Sonntag verfolgt. „Herr Puhlmann hat gute Chancen, auch in der Stichwahl vorn zu bleiben. “.

Gerhard Miesterfeldt (SPD)Alt-Landrat in Stendal

Miesterfeldt hatte von 1994 bis 1998 das Sagen im Landratsamt, anschließend wurde er Regierungspräsident in Magdeburg. Vor und nach ihm stellte allein die CDU den Landrat, Lothar Riedinger führte das Zepter ab 1990 und Jörg Hellmuth ab 1999. Wulfänger hat den Job seit 2013 und will ihn auch behalten. Für Puhlmann stimmten 15 976 Menschen, das sind 46,9 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Wulfänger konnte 11 066 Bürger von sich überzeugen, 32,5 Prozent. Zwischen Herausforderer und Amtsinhaber liegen satte 4910 Stimmen und 14,4 Prozent. Letztendlich ist die Wahl vom Sonntag für den 1. Dezember aber nur ein Fingerzeig, beide Kontrahenten beginnen wieder bei null.

Aus dem Rennen ist Arno Bausemer. Für den AfD-Mann votierten 7014 Menschen (20,6 Prozent). Der Stendaler ist in Hohengöhren aufgewachsen, dort fuhr er mit 34,1 Prozent eines seiner besten Ergebnisse ein. Zwischen Puhlmann und Wulfänger konnte sich der frühere Liberale beispielsweise auch in Uenglingen setzen, dort kam er auf 25,8 Prozent. Weitaus häufiger musste sich Bausemer in den 185 Wahlbezirken mit Platz drei begnügen. Wenn seine Anhänger bei der Stichwahl in Größenordnung auftreten würden, könnte das den Ausgang mit entscheiden. Die AfD selbst hat laut Sprecher Ulrich Siegmund gestern Vormittag beschlossen, keinen der zwei Kandidaten, die es ins Finale geschafft haben, zu unterstützen.

Puhlmann, gemeinsamer Kandidat von SPD, Linke, Grüne und zusätzlich unterstützt durch die FDP, hatte am Sonntag fast überall die Nase vorn. In seinem Wohnort Storkau kommt er auf besonders starke 62,2 Prozent. Auch Wulfänger siegt daheim, in Sandau lässt er mit 53,8 Prozent der Stimmen die Mitbewerber deutlich hinter sich. Glänzen und die anderen ausstechen kann der Amtsinhaber beispielsweise auch in Büste (62,2 Prozent) und in Beelitz (47,5 Prozent). Die Wahlbeteiligung im Landkreis beträgt 36,2 Prozent und ist damit um 10,8 Punkte höher als bei der Landratswahl 2012. Auch damals musste Wulfänger in einer Stichwahl gegen einen SPD-Mann antreten.

Christdemokrat Wulfänger hatte sich die Unterstützung von Pro Altmark geholt. Genutzt hat ihn das bei der Hauptwahl offenkundig wenig. In Osterburg, wo mit der früheren CDU-Größe Nico Schulz ein Hauptvertreter der parteiunabhängigen Gruppe Bürgermeister ist, schafft Puhlmann in den Wahlbezirken der Kernstadt sogar den Sprung über die 50- Prozent-Marke. Die PA ist nicht zuletzt aus einem Streit innerhalb der CDU über die richtige Aufarbeitung des Stendaler Wahlskandals von 2014 entstanden und dürfte der Partei bei der Kreistagswahl im Mai etliche Stimmen gekostet haben. Bis zum 1. Dezember haben Wulfänger und Puhlmann noch einmal Zeit, die Menschen von sich zu überzeugen.

SPD-Kreisvorsitzende Juliane Kleemann zeigt sich zuversichtlich: „Ein erster Schritt zum Wechsel ist getan.“ Und: „Wir wollen den Landkreis vom letzten Platz der Statistiken holen.“ CDU-Kreisvorsitzender Chris Schulenburg meint, dass bundes- und europapolitische Themen die Landratswahl überlagert hätten. Das Ergebnis werde nun ausgewertet. „In den nächsten drei Wochen geben wir noch mal Vollgas, da ist Teamgeist gefragt.“

VON MARCO HERTZFELD  

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