Urteil wird heute erwartet

Prozess um Vergewaltigungs-Spiele in Stendal: Pastor zeigt wenig Demut

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Der Pastor (l.) auf der Anklagebank, neben ihm rechts sein Verteidiger Reiner Wilkens.

Stendal – Für den heutigen Mittwoch wird am frühen Nachmittag das Urteil gegen den angeklagten Pastor aus dem Kirchenkreis Salzwedel erwartet.

Er soll aus Rache und enttäuschter Liebe auf einer einschlägigen Online-Dating-Plattform für schnellen Sex über ein gefälschtes Profil seine ehemalige Geliebte, eine Altmärkerin, ohne deren Wissen im Spätsommer 2016 zu Vergewaltigungs-Spielen und harten Sex angeboten haben (Altmark-Zeitung berichtete).

Haftstrafe droht

Seit Prozessauftakt Mitte Oktober muss sich der heute 60-jährige Pastor im Stendaler Landgericht verantworten. Dem Geistlichen droht mindestens ein Jahr Haft. Die Tat, die dem Geistlichen zur Last gelegt wird, also sexuelle Nötigung in mittelbarer Täterschaft, könnte jedoch in gravierenderen Fällen auch ein deutlich höheres Strafmaß nach sich ziehen. Der angeklagte Pastor zeigte bislang wenig Demut während des Prozesses am Stendaler Landgericht. Der Geistliche ließ im Schöffengericht sogar eine Gelegenheit zur Entschuldigung beim Opfer verstreichen und rügte stattdessen die Presse für ihre Berichterstattung, die auf Antrag der Verteidigung wegen der zahlreichen pikanten Details im Prozess für weite Teile nicht zugelassen war.

Keine Entschuldigung

Die Nebenklage-Vertreterin, Rechtsanwältin Heidrun Ahlfeld aus Stendal, nahm dem angeklagten Geistlichen vor dem Schöffengericht weder die Erinnerungslücken noch die vorgebrachte Reue ab. Dass sich der Angeklagte nun auch zu einer direkten Entschuldigung bei seinem Opfer nicht durchringen konnte, kam im Stendaler Landgericht nicht gut an.

Seine Familie habe zu ihm gehalten, so der Pastor, der seine zunehmende soziale Isolation beklagte. Die Familie des Geistlichen habe erst bei der Hausdurchsuchung durch die Ermittlungsbehörden von seinen perfiden Machenschaften im Internet erfahren. Der Angeklagte hatte sich auf einer Sex-Treffpunkt-Seite im Internet unter anderem als „Blonder Hase“ oder „Hot Stern“ eingeloggt. Dabei lockte er zwei junge Männer an, die harten Sex mit Vergewaltigungsphantasien an dem ahnungslosen Opfer ausleben wollten und gab ihnen gleichzeitig eine Wegbeschreibung bis zur Wohnung der jungen Frau mit. Beiden Männern kam das spanisch vor: Der erste kam zwar zwei Mal in die Wohnung des Opfers, zog aber bis auf eine kleine Handgreiflichkeit schnell unverrichteter Dinge wieder ab.

Mit Fotos gelockt

Den zweiten Mann, der ebenfalls als Zeuge vor Gericht aussagte, konnte die Geschädigte dazu überreden, mit ihr per Taxi zur Polizei zu fahren, um eine Anzeige aufzugeben. Beide Männer wurden von dem seit 2016 krank geschriebenen Pastor (ehemals zuständig für das christliche Seelenheil der Christen von 22 Altmarkdörfern) mittels Porno-Fotos einer jungen, blonden, schlanken Frau zu dem Opfer gelockt. Ihnen wurde durch den Geistlichen vorgegaukelt, das Opfer stünde auf tabulosen, perversen Sex mit Fesselspielen und ähnlichem.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den Pastor wiegt schwer: „Den Interessenten (im Internet) täuschten Sie vor, ihre ehemalige Freundin wolle vergewaltigt werden.“ Doch wie hat sich das Opfer gefühlt? Über viele Wochen wusste die Ex-Freundin des Angeklagten nicht, wer ihr etwas Böses wollte, ihre Adresse kannte und gar Fremde Burschen vorbei schickte.

Todesängste

Die Aussage der Mutter ließ erahnen, was die junge Frau in ihrer einsam gelegenen Wohnung für Todesängste durchstehen musste: „Das Klingelschild war abmontiert, die Telefonleitung gekappt und das Auto aus lauter Furcht weit entfernt vom Wohnhaus geparkt.“ Dass es ihr Ex-Geliebter war, der das Opfer im Alter von 14 Jahren selbst als Pastor konfirmiert hatte, später ein sexuelles Verhältnis mit ihr begann und nun offenbar aus Rache Vergewaltiger auf den Hals schickte, darauf wäre die junge Frau vor Beginn der Ermittlungen nie gekommen. Seine Rachegelüste gab der Angeklagte zumindest im öffentlichen Teil der Schöffengerichts-Verhandlung nicht zu. Der Pastor war lange in psychiatrischer Behandlung. Vor Gericht gab er an, seine ehemalige Geliebte habe harten Sex gemocht und er habe ihr mit den beiden in ihre Wohnung gelockten Männern samt ihren Vergewaltigungsphantasien „nur helfen wollen, dass alles gut wird.“

VON KAI ZUBER  

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