AUS DEM GERICHT: Zahnärztin fördert pikante Details zu Tage

Prozess in Stendal: Falscher Vorname lockt auf Gebhardts Fährte

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Der Prozess wird am 21. Mai im Landgericht fortgesetzt.

Stendal – Holger Gebhardt übt sich weiter im Schweigen. Um 103.000 Euro soll der Stendaler seine Krankenkasse über Jahre hinweg betrogen haben, indem er Arztrechnungen fälschte und sich die Summen erstatten ließ. So lautet zumindest der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Am zweiten Prozesstag gegen den 2017 verurteilten Wahlfälscher kamen einige pikante Details zum Vorschein. Zu der gestrigen Sitzung waren verschiedene Zeugen geladen, darunter eine Zahnärztin aus dem Stendaler Raum.

„Insgesamt vier Rechnungen“ habe sie Gebhardt zwischen 2010 und 2016 ausgehändigt, das habe sie noch am Morgen vor der Verhandlung übergeprüft, sagte die Zahnmedizinerin. Laut Anklageschrift waren es jedoch weitaus mehr als vier Rechnungen aus der Zahnarztpraxis, die Gebhardt an seine Krankenkasse weiterreichte. Die vermeintlichen Belege nahm die Zeugin im Beisein des Angeklagten, seines Verteidigers und der Vorsitzenden Richterin am Landgericht Simone Henze-von Staden in Augenschein.

„Das sieht aus wie meine Unterschrift“, bestätigte die 36-Jährige, bemerkte aber einen nicht ganz unerheblichen Fehler: „Hier ist mein Vorname falsch geschrieben.“ Auch fehlte eine Faxnummer, wie sie in aller Regel auf den Rechnungen angegeben wird. Im Praxisalltag könnten diese Fehler eigentlich nicht unterlaufen, da es für die Rechnungen Vordrucke gibt, erklärte die Zahnmedizinerin und wurde aus dem Zeugenstand entlassen.

Wie bereits am ersten Prozesstag angekündigt, hatte Rechtsanwalt Uwe Kühne, der Gebhardt bereits im Wahlfälschungsprozess vertreten hatte, noch etwas zu sagen. Er händigte Richterin und Staatsanwältin eine Teileinlassung aus, datiert vom 16. Februar 2017. Demnach räumt der 45-jährige Gebhardt ein, der Krankenkasse noch 91 314 Euro zu schulden.

10 000 Euro habe er bereits überwiesen und eine Ratenzahlung angeboten, mit der die Krankenkasse laut Schriftstück einverstanden sei. Es habe auch schon erste Teilzahlungen gegeben, die mit Gebhardts Jobverlust – bedingt durch die Wahlaffäre – allerdings von monatlich 500 auf 100 Euro verringert wurde und mit dessen Inhaftierung im Oktober 2017 schließlich ganz versiegte. „Wir sind damals von einem Zivilverfahren ausgegangen“, sagte der Anwalt.

Inwiefern sich die Einlassung auf das Urteil auswirkt, lässt sich noch nicht sagen. Weiterverhandelt wird am 21. Mai um 9 Uhr in Saal 121 des Landgerichts. cha

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