Kugelbomben auf dem Dachboden

Prozess um rechte Schmierereien: Sprengstoff und Zündschnüre beim Angeklagten gefunden

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Am Stendaler Landgericht ging der Berufungsprozess gegen einen 23-Jährigen in die nächste Runde.

Stendal. Kugelbomben polnischen Fabrikats, ein gutes Dutzend Zündschnüre, eine Sturmhaube sowie zahlreiche szenetypische Devotionalien – das ist das Ergebnis einer Hausdurchsuchung bei einem 23-Jährigen.

Dieser muss sich wegen rechtsradikaler Schmierereien seit vergangener Woche vor dem Landgericht Stendal verantworten (AZ berichtete).

Aus dem Gericht

Am 3. Oktober 2013 soll der Beschuldigte mit drei weiteren Männern in den frühen Morgenstunden Schriftzüge und Symbole an rund 45 Stellen in Salzwedel angebracht haben. Mit Sprühdosen sollen sie dabei Hauswände und Schaufensterscheiben beschmiert haben. Bei der gestrigen Verhandlung berichtete ein Kriminalhauptkommissar detailliert über die Ergebnisse der Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten. Dieser bewohne im Haus seines Vaters lediglich ein eigenes Zimmer.

Die Kugelbomben und insgesamt 14 Zundschnüre seien ein Zufallsfund auf dem Dachboden des Hauses gewesen. „Das waren nicht einfach nur Polenböller. So etwas ist in Deutschland nicht zugelassen und fällt unter das Sprengstoffgesetz“, berichtete der 41-jährige Kommissar.

Zusätzlich fanden die Beamten im Zimmer des Beschuldigten schwarze Kleidung, die er möglicherweise in der Tatnacht getragen haben könnten. „Diese haben wir zur weiteren Untersuchung an das Landeskriminalamt geschickt“, so der Polizist. Wichtig ist auch eine Limousine der Marke Skoda. Diese wurde in der Tatnacht von Zeugen gesehen, sei auf den Vater des Angeklagten zugelassen und werde laut dessen Aussage nur von dem Sohn gefahren.

Das Salzwedeler Amtsgericht sprach den 23-Jährigen im vorigen Jahr frei, gegen die drei Mittäter wurde erst gar kein Verfahren eröffnet, wie der Vorsitzende Richter des Landgerichts, Gundolf Rüge, berichtete. Dennoch waren auch sie zu dem gestrigen Termin als Zeugen geladen. Die jungen Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren verweigerten jedoch die Aussage. Dies ist ihr gutes Recht, wie Rüge den Zeugen im Vorfeld erklärte, falls sie sich im Falle einer Aussage selbst belasten würden. Für den kommenden Termin am Dienstag, 26. April, hat Richter Rüge insgesamt zwölf Geschädigte geladen. „Die sollen dann mal erzählen, ob sie das Zeug wieder abgekriegt haben“, so der Vorsitzende Richter in Bezug auf die Schmierereien. Auch die Salzwedeler Oberbürgermeisterin Sabine Blümel solle sagen, inwieweit eine solche Aktion der Stadt geschadet habe. Zusätzlich wird der Großvater des Angeklagten vorgeladen.

Von Mike Höpfner

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