Falschaussage: Tonaufnahme bringt wenig Klarheit

Prozess um Inselerin geht weiter

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Während einer Kundgebung wegen der zwei in Insel lebenden ehemaligen Sexualstraftäter wurde ein Polizist beleidigt. In diesem Zusammenhang stand gestern die 51-jährige Angela H. erneut vor Gericht. Sie soll falsch ausgesagt haben.

Stendal / Insel. Vor dem Landgericht ging es gestern wieder einmal um die Beleidigung „Spasemacke“ und darum, ob die wegen uneidlicher Falschaussage angeklagte Angela H. diese Äußerung nun mitbekommen hat – oder eben nicht.

Denn mit dem Satz „Was willst du Spasemacke denn von mir?“ soll ein Inseler am 22. Januar 2013 einen Polizisten beleidigt haben. Bei der Polizei und im Prozess vor dem Amtsgericht gab die als Zeugin geladene Angela H. an, dies nicht gehört zu haben. Gestern wurde die Verhandlung jedoch beinahe von dem Disput zweier Juristen überschattet.

Aus dem Gericht

Hintergrund des Zwischenfalls war eine als „Spaziergang“ gekennzeichnete Kundgebung wegen der zwei in Insel lebenden ehemaligen Sexualstraftäter. Bei einer Auseinandersetzung zwischen dem Beleidiger und der Polizei soll Angela H. nur einen Meter von der Gruppe entfernt gestanden haben. Eine Tonaufnahme, die vom Vorsitzenden Richter Christian Hachtmann mehrmals abgespielt wurde, konnte aufgrund der mangelhaften Tonqualität nicht alle Fragen beantworten.

Während der Vernehmung eines Polizisten kam es dann zwischen Verteidiger Klaus Laßmann und Staatsanwalt Thomas Kramer zu einer Auseinandersetzung. Laßmann wollte vom Zeugen wissen, ob er sich an das Fahrzeug erinnern könne, was auf der Tonaufnahme zu hören ist. Für Thomas Kramer stellte sich die Frage der Sinnhaftigkeit: „Wenn Sie die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussage daran festmachen wollen, dann ist das völliger Quatsch“, so der Staatsanwalt.

Klaus Laßmann verlangte von dem Zeugen weiterhin, eine zweite Frauenstimme zuzuordnen, die seiner Vermutung nach nicht von Angela H. stammte. „Für den Sachverhalt der Beleidigung war es völlig unerheblich, was die andere Frau geäußert hat“, stand für Kramer fest. „Das Wort Spasemacke ist einzeln genutzt worden. Es besteht überhaupt kein Zweifel, dass Frau H. es gehört hat“, konstatierte der Staatsanwalt. Der Prozess wird am Montag, 31. August, fortgesetzt. Verteidiger Klaus Laßmann hatte beantragt, zu diesem Termin einen weiteren, an der Kundgebung beteiligten, Polizisten als Zeugen zu laden. Staatsanwalt Thomas Kramer zieht ein Sachverständigen-Gutachten in Erwägung, inwieweit die Tonaufnahme verständlich ist.

Von Mike Höpfner

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