Prozess gegen einen 41-Jährigen, der seine Töchter jahrelang missbraucht haben soll

„Sie hat nur geweint“

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Voraussichtlich am 29. August soll im Landgericht Stendal das Urteil gefällt werden.

Stendal. Eine Mutter hält ihre Tochter in den Armen, ab und an huscht ein ängstlicher Blick durch den Flur des Stendaler Landgerichts. Nur wenige Meter entfernt steht ihr mutmaßlicher Vergewaltiger, unterhält sich.

Es ist Prozessauftakt gegen einen 41-Jährigen aus der Nähe von Salzwedel, dem insgesamt zehn Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen sowie Vergewaltigung vorgeworfen wird. Über sechs Jahre hinweg soll er zwei Töchter und seine Nichte missbraucht haben. Kommenden Donnerstag wird das Urteil gegen den Mann erwartet, ihm drohen mehrere Jahre Gefängnis.

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2004 sollen die sexuellen Übergriffe begonnen haben. Es war Dezember und der heute 41-Jährige hatte seine damals sieben Jahre alte Nichte zu Besuch. Er schlich sich in ihr Zimmer, zog sie und sich aus, fasste sie an, so die Anklage. In den folgenden sechs Jahren soll er sich dann an zwei seiner Töchter vergangen haben. Eine davon hat er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Jahr 2010 sogar vergewaltigt. Mittels Gewalt habe er den Geschlechtsverkehr mit der damals 16-Jährigen erzwungen.

Bis heute leugnet der Angeklagte die Vorwürfe. Er habe nichts getan, „seinen Kinder nie etwas Böses gewollt.“ Mit blau-kariertem Hemd, Turnschuhen und gegelten Haaren nahm der Beschuldigte im Saal 108 Platz. Vor der Tür warteten seine vermeintlichen Opfer, die ihr dunkles Geheimnis womöglich bis zu acht Jahre mit sich herumtragen mussten. Erst durch einen Zufall habe sie von den Ereignissen erfahren, sagt die Ex-Frau aus. Einen Tag später zeigte sie den Mann an.

Das Urteil wird für den 29. August erwartet. Bis dahin sollen die Opfer, die Mutter des Angeklagten, die Nichte und seine jetzige Frau gehört werden. Kurz vor der Anhörung der 16-jährigen Zeugin gestern war zu erahnen, welche Torturen die Mädchen durchgemacht haben müssen. Auf die Frage des Richters, ob die Mutter auch ihre zweite Tochter auf die vermeintliche Vergewaltigung angesprochen habe, sagte diese: „Ja, das habe ich. Sie hat sofort angefangen zu weinen. Plötzlich schwieg sie und machte völlig zu.“ Im Nachhinein würden ihr viele Dinge einfallen, die auf eine Vergewaltigung schließen ließen.

Von Steffen Koller

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