Studie belegt: Mit der richtigen Finanzierung könnten sich mehr Stendaler ein Eigenheim leisten

Nur 29 Prozent im eigenen Zuhause

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Stadt Stendal: Während in der Hansestadt nur 29 Prozent eine eigene Wohnung beziehungsweise ein Haus besitzen, sind es im übrigen Landkreis rund 63 Prozent. Foto: Archiv / dr

cha Stendal. Offensive für die eigenen vier Wände: Vom Eigenheim bis zur Eigentumswohnung – im Landkreis Stendal könnten künftig mehr Menschen in einem Zuhause wohnen, das ihnen auch selbst gehört.

Das zeigt eine Modellrechnung des Pestel-Instituts Hannover, bei der es darum geht, die Chancen zu ermitteln, mit denen Mieter zu Wohnungseigentümern werden.

Demnach kann in der Hansestadt die Wohneigentumsquote von derzeit lediglich 29 Prozent deutlich gesteigert werden. Zum Vergleich: Im übrigen Landkreis liegt die Eigentumsquote bei 63 Prozent. Das Pestel-Institut hat auf der Grundlage aktueller Immobilienpreise berechnet, wer sich als Mieter künftig ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung in Stendal leisten kann. Voraussetzung ist, dass der Staat sie dabei durch ein Programm mit langfristigen Krediten über die KfW-Förderbank unterstützt und ihnen Sicherheit bei den Zinsen gibt.

„Würde der Staat über 30 Jahre hinweg einen Kredit zum festen Zinssatz von 1,5 Prozent anbieten, wäre vielen geholfen, die sich hier eine eigene Immobilie anschaffen wollen. Denn die eigenen vier Wände stehen immer noch ganz oben auf der Wunschliste der Menschen“, sagt Matthias Günther, der Leiter des Pestel-Instituts.

Auf dieser Grundlage würde einem Haushalt in Stendal ein Nettoeinkommen von 1350 Euro pro Monat reichen, um sich das Reihenhaus anzuschaffen. Und das bei einem Eigenkapital von 20 Prozent, rechnet das Pestel-Institut vor.

„Wichtig bei dieser Berechnung ist, dass 30 Prozent des monatlichen Netto-Einkommens in die Finanzierung der Immobilie sowie in Zinsen und Tilgung fließen“, sagt Günther. Viele Menschen, die heute noch zur Miete wohnen, „gehen auf Nummer sicher, wenn es darum geht, eine Eigentumswohnung zu kaufen. Singles zum Beispiel, die mit 50 Quadratmetern Wohnfläche gut klarkommen“, sagt Matthias Günther. Eine Eigentumswohnung in guter Wohnlage mit modernem Bad, Balkon und ohne unmittelbaren Modernisierungsbedarf kostet aktuell rund 59 500 Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 7000 Euro für die Nebenkosten beim Immobilienkauf.

„Damit könnte sich ein Single in Stendal seine eigenen vier Wände schon mit einem Nettoeinkommen ab 800 Euro pro Monat leisten. Vorausgesetzt, er bringt ein Fünftel des Kaufpreises – also rund 13 500 Euro – als Eigenkapital mit“, rechnet Matthias Günther vom Pestel-Institut vor. Bedingung: Der Staat bietet ein entsprechendes Kreditprogramm.

Genau daran, sagt Günther, hapere es allerdings. „Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage wurde die Förderung von Wohneigentum in Deutschland quasi eingestellt.“ Die Initiative „Wohn-Perspektive Eigentum“ setzt sich deshalb für eine politische Offensive bei der Förderung von Wohneigentum ein.

Mit einer Eigentumsquote von bundesweit rund 45 Prozent liege Deutschland im Europa-Vergleich auf dem drittletzten Platz – deutlich hinter seinen Nachbarn im Westen- In Frankreich liegt die Quote bei 58 Prozent und in Polen bei 70 Prozent, nennt der Institutsleiter zwei Beispiele.

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