Gehörlosenverein testet SMS-Alarm / Zeitverzögerung ein Problem

Stendal: Provider für Spezialnotruf am Zug

Gehörlose und Sprachbehinderte können per SMS einen Notruf melden. Fotos: dpa/Hertzfeld/Archiv
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Gehörlose und Sprachbehinderte können per SMS einen Notruf melden. Fotos: dpa/Hertzfeld/Archiv

Stendal – Ein Rückblick auf das Jahr in Sachen Sicherheit: Der „SMS-Notruf“ ist in Sachsen-Anhalt in der zweiten Jahreshälfte an den Start gegangen und gilt für die Altmark und den Elb-Havel-Winkel.

Gehörlose und Sprachbehinderte sollen über diesen Weg schriftlich einen Notfall melden können. Die AZ hat sich das Zusatzangebot zum herkömmlichen Notruf via Telefon oder Fax in der Praxis angesehen.

„Sie haben eine SMS bekommen. Die Nachricht lautet: Reiko Lühe, Wendstraße 30, Herzproblem, bin gehörlos. Der Absender hat die Rufnummer 0 1 …“, schallt es über einen Lautsprecher. – So klingt es, wenn ein Notruf per Textnachricht in der Leitstelle Altmark in Stendal eingeht. Reiko Lühe vom Altmärkischen Gehörlosenverein hat den Notruf offiziell testen dürfen und alles richtig gemacht. Mit der SMS müssen übliche Fragen beantwortet werden: Wer meldet sich? Wo ist es passiert? Und: Was ist passiert? Hinzu kommt hierbei aber der Hinweis, ob eine Hör- oder eine Sprachbehinderung vorliegt.

Matthias Wollenheit, Chef der Leitstelle, zu den Hintergründen: „Zusammen mit dem Teilhabemanagement des Landkreises Stendal haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir es schaffen, dass auch Gehörlose oder Sprachbehinderte die Möglichkeit haben, schnell ihr Hilfegesuch abzusenden, ohne ein Faxgerät oder eine smartphonebasierte Faxanwendung zu nutzen.“

Die SMS ist eingegangen, die Leitstelle schickt Hilfe und auch eine SMS als Antwort, dass Rettungskräfte unterwegs sind. Reiko Lühe findet das Angebot gut. Denn nicht in jeder Situation sind Menschen in der Nähe, die mit den Mitarbeitern einer Leitstelle sprechen können. Der SMS-Notruf ist aber ein Zusatzangebot, der keine gesetzliche Pflicht darstelle, sagt Wollenheit und rät folgendes: „Wir geben den betroffenen Bürgern immer den Hinweis mit auf den Weg, parallel die Möglichkeit zu suchen, einen herkömmlichen Notruf abzusetzen. Eventuell mit der Hilfe von Passanten, Freunden oder Bekannten, die in der Nähe sind. Denn: Wir haben die Erfahrung gemacht. dass es zu einer Zeitverzögerung kommen kann beim Eingang der SMS in Abhängigkeit von dem Provider.“

Da liegt noch ein Problem. Die SMS ist nicht unbedingt die schnellste Möglichkeit der Datenübertragung. Der Landkreis ist aktuell in Verhandlung mit den Netzbetreibern, dass die Übertragung schneller geht. Die SMS-Notrufnummer für die Altmark lautet (03931) 19 222. Näheres dazu gibt es im Internet: www.landkreis-stendal.de.

VON ALEXANDER KLOS

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