Hanse auf Ortsschild soll nicht mehr reichen

Prorektor: Hochschulstadt Stendal im Namen zählt

Stendals Prorektor Prof. Dr. Volker Wiedemer steht nahe seinem Büro im Hochschulgebäude.
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Prof. Dr. Volker Wiedemer nahe seinem Büro im Haus 2 der Hochschule in Stendal. Im Oktober 2019 ging er mit seiner Idee größer in die Öffentlichkeit. Inzwischen hat die Initiative des Prorektors die politischen Gremien der Hansestadt Stendal erreicht.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Hansestadt als Zusatz soll nicht mehr reichen. Stendals Prorektor bekräftigt seine Initiative, die Hochschule in den Namen der Stadt aufzunehmen.

Stendal – Prorektor Prof. Dr. Volker Wiedemer lässt keineswegs von seiner Initiative, die Hochschulstadt in den Stendaler Namen einzubinden. Der Volkswirtschaftler führt dafür ins Feld ein Zitat, das US-Werbetexter und Marketinglegende David Ogilvy zugeschrieben wird: „Werbung kostet Geld – keine Werbung kostet Kunden.“ In Abwandlung ist der Akademiker überzeugt: „Ein Verzicht auf die Zusatzbezeichnung Hochschulstadt kann teuer werden.“ Zunächst zur Erinnerung: Dem Stadtrat liegt ein Antrag des Vorstandes zur Umbenennung der Hansestadt Stendal in Hanse- und Hochschulstadt Stendal vor, der im Hauptausschuss abgelehnt worden ist. Ein Stadtratsbeschluss im Sinne der Antragsteller scheint somit alles andere als sicher.

„Der Nutzen für die Stadt Stendal dürfte die Kosten bei Weitem übersteigen.“ Es gehe in erster Linie um eine „verbesserte Imagewirkung nach außen“. Insbesondere mittelgroße Städte befänden sich „im harten Wettbewerb um Fachkräfte und junge Familien“. Und: Gerade in Ostdeutschland drohe die Demografie einer zunehmend alternden Gesellschaft größere Nachteile in Bezug auf den Arbeitsmarkt nicht nur in der Wirtschaft zu bewirken. Wiedemer: „Es kommt zwingend darauf an, genügend Signale zu setzen, die eine Zukunftsorientierung vermitteln. Andere Städte wie Mittweida oder Kaufbeuren haben die Zeichen der Zeit erkannt.“

Viele Studien zeigen, dass sich Hochschulstädte wirtschaftlich besser entwickeln als vergleichbare Städte ohne Hochschulstandort. Auch davon ist der Professor überzeugt. Die etwa 2000 Studenten und mehr als 100 Beschäftigten der Hochschule in Stendal erzielten sowohl wirtschaftlich als „auch vor allem gesellschaftlichen einen Mehrwert“, durch viele Projekte und Initiativen. Und: „Hochschulstandorte haben eine Sogwirkung. Die Tendenz, nach dem Studium in der Region zu verbleiben, ist hoch. Unser Klebeeffekt von 45 Prozent liegt deutlich höher als an vielen anderen deutschen Universitäten beziehungsweise Hochschulen.“ Fast jeder zweite Absolvent bleibe somit in der Region.

„Nie war der Standort Stendal besser aufgestellt als heute“, meint der Prorektor. Die Ressourcen des Standortes Stendal seien „nachhaltig gesichert“ und „noch einmal ausgeweitet“. Das bedeute auch: „Wir sind längst viel mehr als eine reine Lehrinstitution in Humanwissenschaften und BWL.“ So werde zurzeit ein Promotionszentrum entwickelt, welche die Innovationskraft des Standortes weiter stärken soll. „Mit einem Blick auf die Zukunft und notwendige Weiterentwicklungen der Hochschule wurden neue Professuren zum Aufbau des innovativen Studiengangs Nachhaltige BWL besetzt. Auch werden Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz, Mensch-Technik-Interaktion in Gesundheit und Wirtschaft und so weiter in Lehre und Forschung aufgegriffen.“

Wiedemer verweist auch auf über eingeworbene Drittmittel geschaffene Arbeitsplätze. „Das jährliche Volumen der Mittel ist enorm gestiegen und liegt in den letzten Jahren konstant über der Millionengrenze. Die Bandbreite der vom Bund und Land geförderten Forschungsprojekte ist groß.“ Ins Detail geht der Professor nicht weiter.

Wichtig sei auch die direkte Wirkung in die Region. Dazu zähle die Einbeziehung möglichst vieler Kooperationspartner. Bei zahlreichen Projekten wie der Kinderuni, den Stendaler Hochschulvorträgen sowie der Connect You und der Altmärkischen Netzwerkkonferenz gelinge die Einbeziehung der Bevölkerung aller Altersklassen, der Unternehmen und Institutionen. Wiedemer bringt es im Schreiben an die Presse für sich auf den Punkt: „Ich bleibe überzeugt davon, dass es sich lohnt, den nächsten Schritt zu gehen. Vergangenheit (Hanse) und Zukunft (Hochschule) gehören zu Stendal. Das sollten wir selbstbewusst zeigen.“

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