Gebürtiger Stendaler Jörg Spanier leitet das Landesamt für Vermessung und Geoinformation

Der Präsident fährt mit der Bahn

Jörg Spanier ist in der Altmark verwurzelt und pendelt daher jeden Tag an seinen Arbeitsplatz. Er ist Präsident des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalts in Magdeburg. Foto: ct-press
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Jörg Spanier ist in der Altmark verwurzelt und pendelt daher jeden Tag an seinen Arbeitsplatz. Er ist Präsident des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalts in Magdeburg.

Stendal / Magdeburg. Wie groß ist die Welt? Diese Frage, die wohl fast jedes Kind einmal stellt, beschäftigt Jörg Spanier sein ganzes Leben. Er ließ sich nicht mit den üblichen Floskeln abspeisen und maß lieber selbst nach.

„Ich wollte immer Vermesser werden“, berichtet er. Mit der Lehre zum Vermessungsfacharbeiter und dem Studium zum Diplom-Vermessungsingenieur, erfüllte sich sein Traum. Heute ist der gebürtige Stendaler oberster aller Vermesser im Land und darf sich als Chef des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalts (LVermGeo) sogar Präsident nennen.

Jeden Arbeitstag fährt Spanier von seinem zu Hause in Goldbeck in die Landeshauptstadt. Anders als bei anderen, steht bei ihm morgens nicht die schwarze Dienstlimousine vor der Tür. Der Präsident reiht sich in das Heer der Altmärker ein, die jeden Tag pendeln. Das Bahnfahren sei entspannter, als im eigenen Auto zu fahren und schneller. Natürlich hat er einen Stammplatz im Waggon, wie viele andere. Inzwischen kennt man sich untereinander. An einen Umzug nach Magdeburg hat der 59-Jährige nie ernsthaft gedacht. In Goldbeck ist er verwurzelt, hat Familie und Haus, engagiert sich in der Gemeindevertretung.

Seit 2012 sitzt Spanier auf dem Präsidentenstuhl und ist Chef von knapp 900 Mitarbeitern an vier Standorten landesweit. Zuvor war er Regionalbereichsleiter in Stendal. Bis 2003 hieß die Behörde Katasteramt, davor Liegenschaftsamt beziehungsweise Abteilung Liegenschaften des Rates des Bezirkes. Egal wie die Bezeichnung ist, die Aufgaben gab es schon „immer“ und wird es sicherlich „immer“ geben.

Dass irgendwann alles fertig vermessen ist und die Arbeit überflüssig wird, fürchtet Spanier nicht. „Die Welt verändert sich“, weiß er. Und: Durch immer neuere, genauere Verfahren werden ältere Angaben obsolet.

So kam jüngst bei einem Routinecheck heraus, dass Sachsen-Anhalts höchster Punkt, der Brocken, nicht, wie es Generationen in der Schule gelernt haben 1142 Meter, sondern „nur“ 1141,1 Meter hoch ist. Die Gesamtgröße des Landes hat sich durch genaues „nachmessen“ um satte acht Quadratkilometer verändert. Auch rauf und runter geht´s. Durch früheren Bergbau und Rohstoffgewinnung sinken manche Landstriche ab. Selbst in der Altmark könnten einige Gebiete zum Beispiel durch den Kalibergbau in Zielitz oder die Erdgasförderung davon betroffen sein. Das muss exakt erfasst werden.

Das Alltagsgeschäft ist wenig spektakulär. Neben der Landvermessung, der Erfassung von Geodaten, der Erstellung von Karten gehört zum Beispiel auch die Führung des Liegenschaftskatasters zu den vielfältigen Aufgaben des Landesamtes. Wer den Wert eines Grundstücksermitteln möchte, hat ebenfalls mit dem LVermGeo zu tun. Wissenschaftlich hoch interessant ist eine weitere Aufgabe des. „Wir vermessen auch die Schwere des Landes“, berichtet Spanier. Das erklären zu wollen, wäre an dieser Stelle zu vermessen und würde den Rahmen sprengen. Es ist auch eher ein ganz spezielles „Nebenprodukt“.

Von Christian Wohlt

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