Sanierung des einstigen Gertraudenhospitals bleibt schwierig / Beachtliches Interesse an Führungen

Postkartenmotiv braucht seine Zeit

Ein Blick vom Uenglinger Tor aus auf die historisch interessante Anlage. In der unmittelbaren Nachbarschaft des ehemaligen Gertraudenstifts stehen zahlreiche sanierte und neue Wohnhäuser. Der alte Speicher rechts neben dem einstigen Hospital ist abgerissen worden.

Stendal. „Hören wir einmal, was es so Neues gibt. “ Horst Dietrich, Jahrgang 1931, steigt die Stufe zum Vorraum der Kapelle hinauf. Das Gehen klappt nicht mehr ganz so gut wie früher.

Doch an der samstägigen Führung durch das historische Gertraudenhospital möchte der ehemalige Boxer unbedingt teilnehmen. Ehefrau Ruth und ein Stock helfen ihm dabei. Vor gut drei Jahren hat der gebürtige Stendaler das mittelalterliche Gemäuer zuvor das letzte Mal besucht. Das Areal nahe dem Uenglinger Tor ist ihm allerdings schon gut bekannt, lebte er doch als Kind gleich um die Ecke in der Gertraudenstraße. Unter seinem Arm hat der passionierte Sammler von Ansichtskarten einen dicken Ordner mit ausgewählten Motiven. Möglichst viele Menschen sollen darin blättern dürfen.

In Hans-Georg Eckhardt (68), Mitglied des Vereins Denkmalpflegehof und Vater der Stendaler Stadtarchivarin Simone Habendorf, findet Dietrich einen interessierten ersten Betrachter. Der ehemalige Elektroingenieur ist seit 2005 Mitglied des Vereins, der sich bei seiner Gründung gut zwei Jahre zuvor den Erhalt des Komplexes auf die Fahne geschrieben hatte. Immer wieder einmal hat der Ruheständler seitdem Besucher nicht zuletzt in die Kapelle geführt und das von ihm entdeckte Tonnengewölbe im Keller gezeigt. Er hatte mit einem Stock von draußen nach unten ins Mauerwerk gestochert und so den verborgenen Hohlraum gefunden. Ein besonderes Ereignis für alle Mitglieder des Vereins, die reichlich Freizeit und Herzblut in das ehemalige Hospital investieren. Irgendwann sollen dort regelmäßig Kulturveranstaltungen stattfinden. Bei allem Enthusiasmus scheint aber über die Jahre eines unverändert: Die Sanierung des Objektes war und ist eine schwierige Angelegenheit. Fördergelder fließen so gut wie nicht, da das Gelände außerhalb der eigentlichen Altstadt liege. Der Verein ist auf Spenden angewiesen.

So konnten beispielsweise 2009 nötige Arbeiten am Dach erledigt werden. Seit Längerem möchte der Verein nun schon die Fenster der Kapelle neu bleiverglasen lassen. Kostenpunkt: mindestens 2 000 Euro. Lassen sich dann dadurch Temperatur und Feuchtigkeit besser regeln, könnten die Malereien an der Rippendecke der Kapelle wieder freigelegt werden. Eckhardts Wunschzettel ist noch länger: „Die Wände müssen verputzt werden, eine Innentür muss her, draußen muss das große Tor gestrichen werden...“

Bei Grabungen und Aufräumarbeiten sind Reste eines Kugeltopfes aus dem 14. Jahrhundert und Scherben aus dem 17. Jahrhundert gefunden worden. Entdeckt wurde auch eine Scherbe mit Buchstaben und einem Hexagramm darauf. Vermutlich das Zeichen eines Bierbrauers. Heutzutage gilt das Hexagramm, das Davidschild, vor allem als Symbol des Judentums und des Staates Israel. Alles ist Teil einer kleinen Ausstellung.

Von Marco Hertzfeld

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