Horst Dietrich feiert heute seinen 87. Geburtstag / Er kämpfte nicht nur um Ansichtskarten

Postkarten-Liebhaber im Boxring

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Gleich mehrere Alben in Dietrichs Sammlung tragen den Titel „Lokomotiven“. Diese ist von 1910.

Stendal. Wenn Horst Dietrich seine Sammelalben durchblättert, ist in seinen Augen ein Funkeln zu erkennen. Seit fast 70 Jahren sammelt er Ansichtskarten. Angefangen hat alles mit einer Feldpostkarte von seinem Vater, einem deutschen Offizier.

Es folgten jede Menge Karten von seiner Heimatstadt Stendal, von schönen Landschaften oder auch von Lokomotiven, die allesamt sein Sammlerherz höher schlagen lassen.

Diese Postkarte vom 30.12.1904 zeigt die Breite Straße in Stendal zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In seinem Zimmer im Seniorenheim am Schwanenteich reiht sich Ordner an Ordner, jeder Einzelne ist fein sortiert. „Das ist noch nicht alles“, lacht der Rentner. Einen Teil seiner Sammlung habe er aus Platzmangel bereits ins Haus seines Sohnes verlegt. Doch verstauben tun die Ordner nicht, ganz im Gegenteil: „Ich schaue sie mir oft an. Das hilft mir meine Erinnerungen wachzuhalten“.

Horst Dietrich feiert heute seinen 87. Geburtstag. Wenn er nicht gerade unterwegs ist, erfreut er sich an seinen zahlreichen Ansichtskarten.

Horst Dietrich feiert heute seinen 87. Geburtstag. Er ist 1931 in Stendal geboren. Mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern zog er einige Jahre später nach Tübingen, war aber oft bei seinen Großeltern in der Altmark zu Besuch. 1954 heiratete er seine große Liebe Ruth, mit der er nach eigenen Angaben „62 wunderbare Ehejahre“ verbrachte, aus denen die Söhne Jörg und Ralf hervorgingen. Die inzwischen verstorbene Ruth hat seine Sammlerleidenschaft stets geteilt. Von Frankfurt (Oder) bis Hamburg: Es gab kaum einen Trödelmarkt, den die beiden nicht aufsuchten. Dann hielten sie Ausschau nach den interessantesten Postkarten. In all den Jahren entstand so eine stattliche Sammlung, die Horst Dietrich gerne zeigt. Das Interesse an seinen Postkarten ist groß, vor allem an denen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Daher wurden seine Schätze schon mehrfach in seinem Seniorenheim oder im Museum ausgestellt.

Neben seiner Liebe zu Ansichtskarten und natürlich zu seiner Frau, die er liebevoll „mein Schmuckstück“ nennt, hat Horst Dietrich noch eine weitere Leidenschaft: Mit 18 Jahren fing er mit dem Boxen an. „Über 70 Kämpfe habe ich bestritten“, so der gelernte KFZ-Schlosser. Urkunden in seinem Zimmer bezeugen seine Erfolge. Natürlich habe er sich auch mal die Nase gebrochen, wie Dietrich schmunzelnd erzählt, „aber das Boxen hat mir immer großen Spaß gemacht“. Als er den Sport nach einer Operation nicht mehr ausführen konnte, wurde er kurzerhand Box-Trainer. 30 Jahre lang stand er dafür neben dem Boxring.

Stillstand kommt für Horst Dietrich auch mit 87 Jahren nicht in Frage. Fast täglich schnappt er sich seinen Rollator und geht an die frische Luft. Auch heute noch erkundigt sich Dietrich regelmäßig in Stendaler Buchhandlungen nach den neusten Sammler-Karten. Seinen Geburtstag will er mit Sohn Ralf verbringen.

Von Charlotta Spöring

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