Sozialministerium will Johannitern ablehnenden Bescheid erteilen

Portalklinik-Pläne vor dem Aus

Protokollantin Alessa Stobinski bedient ein Telefon, um Dr. Thomas Krössin zur Ausschusssitzung durchzustellen.
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Protokollantin Alessa Stobinski schaltet Dr. Thomas Krössin telefonisch zur Ausschusssitzung zu.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Um jeweils eine Portalklinik in Havelberg und Genthin aufbauen zu dürfen brauchen die Stendaler Johanniter die Erlaubnis vom Land. Die wird jedoch voraussichtlich nie kommen.

Stendal/Havelberg – Was Dr. Thomas Krössin, Geschäftsführer des Johanniter-Krankenhauses in Stendal, in der vergangenen Woche im Ausschuss für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit des Landkreises vorstellte, war in vielen Punkten nicht neu. Dass die Johanniter planen in Genthin und Havelberg jeweils eine Portalklinik einzurichten, wird bereits seit Monaten diskutiert. Neu war hingegen, dass ein Antrag dazu nicht im zuständigen Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt angekommen sein soll.

Auch das Ministerium bestätigt auf AZ-Anfrage, dass die Idee einer Portalklinik von den Johannitern seit mehreren Monaten vorgebracht werde. Pressesprecherin Ute Albersmann erklärt jedoch: „Sie ist von den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und auch vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration mehrfach als nicht umsetzbar abgelehnt worden.“ Die Johanniter seien zur Nachbesserung aufgefordert worden. Dabei sei auch ein Konzept für ein Medizinisches Versorgungszentrum mit Betten erbeten worden. „Die ist nicht erfolgt. Vielmehr wird der alte Vorschlag erneuert“, berichtet Albersmann.

Richtig sei, dass die Johanniter am 24. November einen Brief an das Ministerium sandten, in dem verschiedene Sachverhalte, wie auch die Errichtung von Nebenbetriebsstätten, also Portalkliniken, in Havelberg und Genthin angesprochen wurden. Tatsächlich seien Nebenbetriebsstätten in der Krankenhausplanung nicht vorgesehen. Der Definition von Krankenhäusern, die im fünften Buch des Sozialgesetzbuches und im Krankenhausfinanzierungsgesetz des Bundes eindeutig geregelt seien, könnten die beantragten Nebenbetriebsstätten nicht gerecht werden. Ebenfalls könnten sie keine unselbstständigen Betriebsteile des Stendaler Krankenhauses sein. „Damit sind sie nicht genehmigungsfähig. Das ist den Johannitern in mehreren gemeinsamen Beratungen, bei denen auch Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen beteiligt waren, mitgeteilt worden“, stellt Albersmann klar. Zu der Bitte, als Alternative die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums mit kurzfristiger Unterbringungsmöglichkeit für einige wenige Patienten zu prüfen, habe Dr. Krössin nichts vorgelegt. „Es wird daher in dieser Woche ein ablehnender Bescheid erteilt werden“, erklärt Albersmann für das Sozialministerium.

Im Stendaler Ausschuss hingegen, dem Dr. Krössin per Telefon zugeschaltet die Vorhaben der Johanniter erläuterte, wurden die Vorschläge positiv aufgenommen. Diese beinhalteten unter anderem moderne Wege der Medizin zu beschreiten. „Medizin muss mobil werden“, erläutert Krössin. So ähnlich wie früher der Fischwagen müssten auch Ärzte in die strukturschwachen Regionen kommen, um ihre Dienste anzubieten. Auch Telemedizin soll da ein Bestandteil sein. Die Sprechstunde könne über Videokonferenzen funktionieren. Eine Röntgenassistenz könnte vor Ort die Technik bedienen, während ein Arzt in Stendal die Diagnose vornimmt.

Um diesen Weg beschreiten zu können, appelliert Krössin an alle Ausschussmitglieder, zusammenzustehen und gemeinsam dafür einzutreten. Einen alternativen Plan gebe es derzeit nicht, von keinem Anbieter. Mit der Ankündigung des Landesministeriums scheint damit die Hoffnung auf diesen Lösungsweg gestorben zu sein.

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