Jagdbehörde: Invasive Art kaum zu stoppen

Fast 4000 Nutrias im Landkreis Stendal erlegt

Eine Nutria nähert sich einer Ente und deren Küken.
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Eine Nutria will eine Ente und deren Küken aus ihrer Nähe vertreiben. Das Bild entstand an einem Gewässer in Hessen, die Szene könnte sich so oder ähnlich auch in der Altmark abspielen. Das Nagetier ist auf dem Vormarsch.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Die Nutria scheint im Landkreis Stendal weiter auf dem Vormarsch. Dass die Jagdstrecken wachsen, könnte ein Indiz dafür sein. In der Stadt Stendal liegt die Fallenjagd weiter auf Eis, der Umgang mit dem eingewanderten großen Nager spaltet die Meinungen.

Stendal – Während die Stadt Stendal die Fallenjagd auf die Nutria in ihrem Gebiet mindestens erst einmal weiter auf Eis gelegt hat, finden sich für weitläufigere Flächen im übrigen Landkreis ganz offensichtlich durchaus Jäger. 2018/19 sind 2355 dieser eingewanderten oder eingeführten großen Nagetiere erlegt worden, 2019/20 waren es 3417 und 2020/21 sogar 3786. Im Straßenverkehr erwischte es in diesen Jahren 17, 33 und 44 Exemplare. Die Zahlen der unteren Jagdbehörde lassen zumindest erahnen, wie sehr sich die auch Biberratte genannte und ursprünglich aus Südamerika stammende „invasive Art“ bereits in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel festgesetzt hat. „Die Population nimmt nach unserer Einschätzung stetig zu“, konstatiert Kreissprecherin Angele Vogel auf AZ-Anfrage.

Biberratte gilt als „invasive Art“

Die Kreisverwaltung lässt an der Nutria kein gutes Haar. „Durch sie entstehen zahlreiche Schäden an Gräben, Böschungen, in Feldern.“ In irgendeiner Form beziffern ließen sich die Schäden nicht. Ganz unerheblich dürften sie aber auch nicht sein. „Die Nutria lässt sich wahrscheinlich nicht mehr verdrängen. Sie kommt überall dort vor, wo Wasser ist; an Bachläufen, Seen und Flüssen“, klingt die Stendaler Kreissprecherin bereits nach Kapitulation. Und überhaupt: „Eine positive Rolle der Nutria ist nicht ersichtlich.“ Durch Fraß an Uferpflanzen soll die Art nicht zuletzt auch die Lebensräume seltener einheimischer Tiere einschränken. Das Fleisch steht längst nicht mehr in dem Maße wie früher auf dem Speiseplan mancher Menschen und auch das Fell scheint nicht sonderlich begehrt.

Landratsamt ohne spezielle Strategie

Eine Handreichung für Kommunen im Umgang mit diesem Tiere gebe es nicht. „Konkrete Fragen werden natürlich gern durch den Landkreis beantwortet.“ Eine regelrechte Bekämpfungsstrategie der Jagdbehörde kann Vogel schon gar nicht vermelden. Jedoch hätten die Gewässerunterhaltungsverbände schon vor einiger Zeit eine sogenannte Entnahmeprämie ausgesetzt, die Kreissprecherin nennt sie auch Schwanzprämie. Die Nutria auszurotten, darum dürfte es in der Region kaum jemanden gehen. Die Rede ist von einer Regulierung der Bestände. Bei milden Wintern könnten in der Spitze bereits einige Zehntausend Nutrias den Landstrich bevölkern. Vogels Botschaft: „Wichtig ist, dass die Nutria vor allem in Stadtbereichen nicht gefüttert werden.“

Jäger kommen nicht überall zum Zuge oder wollen das mitunter nicht, zumal es rechtliche Hürden gibt. Längst hat die Nutria auch das Stendaler Stadtgebiet erobert. Sie fühlt sich vor allem an Stadtsee und Schwanenteich sowie entlang der Uchte recht wohl, errichtet Erdbauten. Jahrelang zögerte die Hansestadt und sprach im Januar in der AZ dann von Fallen, in denen Tiere für den Tod gefangen werden sollten. Die Pläne lösten eine heftige Diskussion aus, gerade in Sozialen Netzwerken, es soll sogar Morddrohungen gegen Stadtmitarbeiter gegeben haben. Die Tierrechtsorganisation Peta kritisierte das Vorhaben. Und nach wie vor findet das Rathaus niemanden, der den Job übernehmen will. Auf der Liste hat die Stadtverwaltung den Nager und Buddler aber auch weiterhin (die AZ berichtete).

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