Erster Beigeordneter Sebastian Stoll übernimmt Verantwortung für Impfung von 330 Polizisten

SPD-Landrat Patrick Puhlmann macht Impfzentrum zur Chefsache

Stendals Landrat Patrick Puhlmann sitzt im Stendaler Landratsamt und krämpelt sich die Ärmel hoch. Vor ihm stehen zwei Mikrofone auf dem Tisch.
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Zu Beginn der Pressekonferenz krempelt Landrat Patrick Puhlmann (SPD) die Ärmel hoch. Mit der Übernahme des Impfzentrums kommt ein weiteres Aufgabenfeld für ihn dazu.
  • Stefan Hartmann
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Nach der Affäre um die 330 geimpften Polizisten im Landkreis Stendal hat der Erste Beigeordnete des Landkreises Stendal die Verantwortung für die Vorgänge übernommen. In Zukunft wird der Landrat selbst die Geschicke im Impfzentrum in die Hand nehmen.

Stendal – Wenn etwas schiefläuft, könne es nicht seine Aufgabe sein, zuerst einen Schuldigen zu präsentieren, erklärte Landrat Patrick Puhlmann (SPD) zu Beginn der neusten Corona-Pressekonferenz des Landkreises Stendal am Dienstag. Thema war die Impfung von 330 Polizisten im Landkreis Stendal. Der Stellvertreter des Landrates, Sebastian Stoll (CDU), übernahm in seiner Funktion als zuständiger Dezernent des Impfzentrums die Verantwortung für den Vorfall (siehe persönliche Erklärung).

Im Zuge der Affäre wird das Impfzentrum zur Chefsache. Puhlmann selbst wird an Stelle Stolls die Geschicke jetzt in die Hand nehmen. Um einige organisatorische Fragen zu klären, werde Stoll jedoch voraussichtlich noch bis mindestens Ende der Woche mitwirken. Ein Vertrauensbruch oder das Gefühl „hintergangen“ worden zu sein, stehe jedoch nicht dahinter, wie Puhlmann erläutert. Vorrangiges Ziel sei es immer, dass die Impfungen weiterlaufen und jetzt „Ruhe in die Sache“ reinkommt. Denn trotz aller berechtigten Aufregung und Kritik müsse festgestellt werden, dass die Arbeit im Impfzentrum und bei den mobilen Teams funktioniere. „Das Engagement der Mitarbeiter gerät in Vergessenheit“, warnt Puhlmann und bittet darum, dass die Kritik bei allem verständlichen Ärger und der Empörung über die Vorfälle sachlich bleibe.

Häufig werde die Frage aufgeworfen, wie es mit den geimpften Polizisten jetzt weitergehe. „Einige von ihnen sind verunsichert und machen sich zum Teil Vorwürfe“, stellt Puhlmann fest. Sie hätten darauf vertraut, dass es mit dem ihnen gemachten Impfangebot seine Richtigkeit hätte. Sie dürften jetzt nicht im Stich gelassen werden und sollen planmäßig ihre Zweitimpfung erhalten. Sonst wäre der Vorfall völlig umsonst gewesen und sie müssten in Zukunft ein zweites Mal komplett geimpft werden. Das gebe die Impfverordnung auch so her. Nach der ersten müsse die zweite Impfgabe erfolgen. Um einen weiteren Verstoß handele es sich also nicht, bekräftigte der Landrat.

Ob die Affäre weitere Konsequenzen für Stoll bedeuten, konnte Puhlmann noch nicht sagen. Einen Schuldigen zu suchen sei nicht seine erste Priorität gewesen. Ob nun ein Disziplinarverfahren gegen Stoll folgen müsse, sei noch zu klären.

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